Sweet Home 3D: Daumenwerte und Faustregeln

Starthilfe für die Hausplanung

8. Februar 2021 | #hausbau #hausbau-planung #sweethome3d

Dies ist ein Artikel meiner kleinen Reihe zum freien und kostenlosen Raumplaner Sweet Home 3D. Diese Reihe wird sporadisch fortgesetzt – es gibt auch eine Übersicht aller hier bereits zu Sweet Home 3D erschienenen Artikel.


Der Wohnungsplaner ist installiert, erste Wände sind gezogen. Aber schnell wird's eng und es stellen sich Fragen: Wie viel Platz muss ich eigentlich für Haustechnik und Treppen einplanen? Und sind Wände wirklich bloß 7,5 cm dick? Es hat natürlich keinen Zweck, sich in Zenti- und Millimetern zu verzetteln – aber eine annähernd realistische Planung hilft natürlich, eigene Ideen zu konkretisieren oder auch mal übern Haufen zu werfen.

Die folgenden Daumenwerte habe ich im Laufe unserer Hausplanung notiert. Sie eignen sich natürlich genauso gut für andere Programme (oder für Überlegungen mit Stift und Papier):

Wie dick sind eigentlich Wände?

Bildschirmfoto: So sehen die unten genannten Wanddicken in SweetHome3D aus. Natürlich kann man mit SweetHome3D eine zweischalige Außenwand mitsamt Wärmedämmung, Luftschicht und Verblendmauerwerk modellieren. Viel zweckmäßiger ist es aber natürlich, das Traumhaus mit einfachen Wänden unterschiedlicher Dicke zu skizzieren.

Als grober Richtwert: Unser KfW55-Haus hat gemäß Zeichnungen folgende Wanddicken (zuzüglich Putz, aber wollen wir mal nicht so sein):

Außenmauern 49,0 cm
tragende Innenwände:   17,5 cm
alle anderen Wände: 11,5 cm

Bildschirmfoto: Ganz unten lässt sich die Wandstärke einstellen. Wer unsicher ist, möge einen Blick in die Bauleistungsbeschreibung des Bauträgers werfen. Unterschiede gibt es je nach Energiestandard.

Um eine Wanddicke in SweetHome3D zu ändern, doppelklicke zunächst auf die entsprechende Wand. Es öffnet sich ein Eigenschaftsdialog, an dessen Ende auch die Wandstärke geändert werden kann.

Heizung und Warmwasser

Der Warmwasserspeicher der Heizung soll vermutlich im Keller oder Hauswirtschaftsraum Platz nehmen. Ein 190-Liter-Warmwasserspeicher für ein Einfamilienhaus hat je nach Modell eine Größe von vielleicht 190×60×70 cm³ (H×B×T; Quelle) und kann natürlich einfach als Quader angenommen werden.

Weiterer Platz ist für den Heizkessel (bei Gasheizung) oder die Wärmepumpe einzuplanen. Wobei letztere natürlich nicht im, sondern vor oder hinter dem Haus steht. Da die Wärmepumpe einen gewissen Geräuschpegel verursacht, sollte sie möglichst nicht direkt unter dem Schlafzimmerfenster stehen, außerdem sind Mindestabstände zum Nachbargrundstück einzuhalten. Auch der Maximalabstand zur Inneneinheit darf nicht überschritten werden; ich hab mal was von 10 m aufgeschnappt, auch wenn technisch wohl bis zu 30 m möglich sind (PDF-Link, siehe Seite 30). Auch hier hilft der freundliche Generalunternehmer sicher weiter, sobald es ins Detail geht.

Treppen

Jeder, der schon mal eine toll geschwungene und/oder viel zu steile Treppe beschritten hat, ahnt es vielleicht: die Planung einer gelungenen Treppe ist eine geometrische und ergonomische Meisterleistung. Ich hab's jedenfalls aufgegeben, unsere zweimal viertelgewendelte Treppe im CAD nach­zu­kons­truieren – und ziehe meinen Hut vor jedem, der eine angenehm begehbare Treppe auf dem Papier entwickeln kann.

Die Maße einer Treppe hängen maßgeblich von der Geschosshöhe und der Anzahl der Treppenstufen ab, die man für den Auf- und Abstieg beschreiten möchte – oder im Raum unterbringen kann. Für normale Geschosshöhen (ca. 280 cm) kann man mit 15 Steigungen (sprich: Treppenstufen) rechnen. Wichtig ist das richtige Verhältnis aus Steigung und Auftritt, das theoretisch mit der Länge der Beine in deinem Haushalt korrelieren sollte.

Wer sich ganz tief ins Kaninchenloch hineinziehen lassen möchte, der möge sich in die Treppenforschung (Scalalogie) einlesen. Zweckmäßiger ist aber diese Grafik mit Beispiel-Maßen [Quelle | Archiv-Link]:

In SweetHome3D bietet es sich wiederum an, auf die vorinstallierten Beispieltreppen, zurückzugreifen. Für die eigene Vorabplanung sind die sicher ausreichend und alles weitere übernimmt der Profi.

Welche Größe für welchen Raum?

Klar, Platz kann man nie genug haben. Und während man die Wohn- und Schlafzimmer einfach so groß macht, wie es der zur Verfügung stehende Platz eben hergibt, will man die „funktionalen“ Räume vielleicht eher klein halten. Mir haben auch hier beim initialen Planen die nötigen Erfahrungswerte gefehlt, deshalb will ich ein paar Gedanken festhalten:

  • Für den Hauswirtschaftsraum wurde uns von mehreren Seiten empfohlen, nicht unter 10 oder lieber 12 m² zu gehen – gerade, wenn kein Keller zur Verfügung steht. Auch sollte der HWR natürlich nicht zu verwinkelt sein, um Wartungsarbeiten an der Haustechnik zu ermöglichen.
  • Bei der Küche kommt es besonders auf die eigenen Vorlieben und Prioritäten an: mit 10 m² kann man schon viel machen, für eine Kochinsel reicht das allerdings nicht. Wer es drauf anlegt, kommt natürlich auch mit weit weniger aus.
  • Beim Badezimmer haben wir uns etwas schwer getan. Rausgekommen sind 9 m², in die sich Dusche, Badewanne und WC locker unterbringen lassen. Wenn die Kloschüssel in einem eigenen Separé versteckt werden soll, muss ggf. mit etwas mehr Platz gerechnet werden. Ein kleines Gäste-WC mitsamt Dusche haben wir auf 3 m² problemlos unterbekommen.

Sollte sich herausstellen, dass ich mich mit obigen Annahmen gehörig geirrt habe, wird dieser Beitrag bestimmt noch mal aktualisiert. 😉 Ansonsten dürfen Fragen und Hinweise natürlich gerne ins untenstehende Kommentarfeld gemeißelt werden.