„Steel Held High“-Festival 2019

23. März 2019 | #metal #konzert #festival #velocity #messerschmitt #ironkobra #martyr #tytan #braunschweig

Mal wieder ein bisschen Heavy Metal und Privatleben hier. Über die meisten besuchten Events verliere ich hier kein Wort und machen wir uns nichts vor: 99% der Leser dieses Weblogs kommen her, indem sie irgendwelche Computer-Probleme in die Suchmaschine ihrer Wahl tippen und sind so schnell wieder weg wie sie gekommen sind.

Aber dennoch, im Nachhinein verblassen die Erinnerungen an die meisten Konzerte wieder ziemlich schnell und das gerade bei Bands und Locations, die man vergleichsweise häufig sieht und besucht. Und so versuche ich jetzt mal in Anlehnung an die HOA-Berichte auch das Zusammenschreiben kleinerer Konzerterlebnisse zur Gewohnheit zu machen, um vielleicht eines Tages ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen.

Los geht's jedenfalls mit dem „Steel Held High“-Festival, welches am 9. März in Braunschweig stattfand!

Hin …

Die Stadt mit dem Löwen als Wahrzeichen ist für meine beiden Mitstreiter und mich gerade noch in bequemer Bahnreichweite, um Freitag nach Feierabend runterzubrettern und so erreichen wir Braunschweig in den frühen Abendstunden. Unser Hotel „Celler Tor“ ist eher zweckmäßig, aber sauber und preiswert und liegt ähnlich wie die Festival-Location, das Jugendzentrum B58, nördlich außerhalb der Altstadt.

Nett: Gleich um die Ecke wirbt ein Etablissment namens Bier- und Wurstkontor (Kult!) mit dem Slogan „Futtern wie bei Mutter‘n“ ([sic!] & Oberkult!!). Meine Mutter kommt jetzt zwar nicht vom Balkan, aber sei's drum: Ein Scheiterhaufen aus gut gewürztem Fleisch mit Pommes und frischem Salat ist nach Maloche und drei Bahn-Umstiegen genau das Richtige – und bei Sliwowitz für einzwanzig sagen wir natürlich auch nicht nein. Die exzellenten Google-Bewertungen sprechen für sich.

Ebenfalls nett: Das Wolters-Pils wird diekt in Braunschweig produziert und praktisch überall gereicht, wo man ein Bier ordert.

… hellraisen …

Der Samstagmorgen beginnt dann zunächst mit einem gemütlichen Hotelfrühstück, gefolgt von einem Altstadtbummel. Diese kann sich sehen lassen, insbesondere die vielen Kirchen machen was her, genau wie die zahlreichen Fachwerkbauten.

Doch eigentlich sind wir ja in Sachen Heavy Metal unterwegs und treffen pünktlich zur besten Kaffeezeit im B58 ein. Gastgeber ist der Metalclub hotel666, der einen ganz bezaubernden Job macht: Zwischen Einlass und Beginn der ersten Band gibt's gratis Kaffee und Waffeln, hinterher bleiben mit Sandwiches und Chili keine Wünsche offen. Auch am Getränketresen läuft alles rund, so dass eigentlich nichts schiefgehen kann.

Aber wie gesagt, Metal! Los geht's mit VELOCITY aus Goslar, welche den meist undankbaren Job haben, die Zuschauer anzuheizen. Zugegebenermaßen gelingt das in diesem Fall auch nur so mittelmäßig: Obwohl die offenbar stark von Maiden inspirierten Songs nicht übel sind, ernten die Jungs eher Höflichkeitsapplaus. Taktisch unklug ist auch, eine längliche Ballade per Ansage als letzte Nummer zu verkaufen – die erhofften Rufe nach einer Zugabe bleiben so natürlich aus, aber einen amtlichen Rausschmeißer gibt es letztlich dennoch zu hören.

Deutlich wilder geht's bei MESSERSCHMITT zur Sache: Das liegt zum einen am Speed Metal, der seinem Namen in diesem Falle mehr als gerecht wird und sowieso im Underground gerade seinen zweiten Frühling feiert. Außerdem ist Bassist Flo der wohl authentischste Poser unter der Sonne und zieht ein wahnsinns Stage Acting ab – das Publikum ist ordentlich aufgepeitscht und spätestens zum Schluss mit vollem Körpereinsatz bei der Sache. Geiler Auftritt einer sausympathischen Truppe.

Das im Vergleich deutlich gediegenerere Material von IRON KOBRA lockt im Anschluss zunächst nicht soo viele Maniacs an den Bühnenrand, aber auch das ändert sich nach wenigen Minuten. Auch wenn Kobra Crusaders trotz lautstarker Forderungen (ähem) schon wieder nicht gespielt wurde, bleiben keine Wünsche offen. Das saucoole Kerker & Drachen von der gleichnamigen EP macht auch live Riesenspaß und der Speedbiker wird mal wieder in Rekordgeschwindigkeit runtergespielt. Routinierter, aber geiler Auftritt.

Nur eine kurze Verschnaufpause gibt es, dann kommen Musiker aller bisher an diesem Abend aufgetretenen Bands zum Allstars-Special wieder auf die Bühne. Etwas chaotisch, aber mit viel Enthusiasmus werden ein paar Klassiker zum Besten gegeben, die vom Publikum frenetisch abgefeiert werden. Höhepunkt war neben der an Epik kaum zu überbietenden Battle Hymn der MANILLA-ROAD-Evergreen Necropolis: Stilecht von nem Typen aus dem Publikum mit zugehaltener Nase gesungen – soll ja schließlich wie das Original klingen! Keine Ahnung wie viele Umdrehungen Mark Shelton in seinem Grab hingelegt hat, aber bei allem Spaß an der Sache waren die Beteiligten auch mit einer Menge Herzblut dabei.

Gespannt war ich auf MARTYR, die trotz ihrer niederländischen Herkunft vor gut dreißig Jahren mit bestem NWoBHM-Sound brillierten. Während die Instrumentalfraktion durchaus überzeugte hat mich Sänger Robert van Haren nicht ganz vom Hocker gerissen. Ich kaufe ihm durchaus ab, dass er mit ganzem Herzen bei der Sache ist, aber die Gratwanderung zwischen Kult und Fremdscham seiner Show gelingt in Braunschweig leider nicht immer und auch die anderen Publikumsreaktionen schienen etwas gespalten. Trotz klasse Songs und nach wie vor guter Grundstimmung, nicht ganz so geiler Auftritt.

Der anschließende überlange Soundcheck von TYTAN gibt dem Abend zunächst einen kleinen Dämpfer, mag aber auch auf etwas fehlende Routine zurückzuführen sein. Die NWoBHM-Veteranen haben mich zuletzt auf dem HOA 2016 ziemlich geflasht. Seit dem hat das „Rough Justice“-Album bei mir viele Runden gedreht und klingt auch 34 Jahre nach Erscheinen live immer noch erstaunlich frisch und unbeschwert. Würdiger Abschluss eines sehr gelungenen Abends, geiler Auftritt!

Kurze Stärkung vorweg Das Mini-Backdrop hat sich schon beim zweiten Song schwerkraftbedingt verabschiedet: Iron Kobra! Action beim Allstar-Gig! Alte Herren, frischer Sound: Tytan!

… und weg

Das war's also, das Steel Held High 2019. Obwohl, nicht ganz: Im Hotel-Frühstücksraum sind wir zumindest noch mal TYTAN und MARTYR begegnet, die augenscheinlich auch noch ne Ecke verkaterter waren als wir.

Knappes Fazit: Die Damen und Herren vom H666 sind tolle Gastgeber und auch B58 wird uns als gemütliche Konzertlocation in Erinnerung bleiben. Nicht ganz auszuschließen also, dass wir uns in den nächsten Jahren noch mal wieder sehen!

Ein paar hochwertigere Fotos als die verwackelten Kack-Schnappschüsse aus der feiernden Crowd gibt es übrigens ebenfalls drüben beim hotel666.


(Titelfoto von Jonathan Kemper auf Unsplash)