„Steel Held High“-Festival 2019

Mal wieder ein biss­chen Heavy Metal und Pri­vat­le­ben hier. Über die meis­ten besuch­ten Events ver­liere ich hier kein Wort und machen wir uns nichts vor: 99% der Leser dieses Web­logs kommen her, indem sie irgend­wel­che Com­pu­ter-Pro­bleme in die Such­ma­schine ihrer Wahl tippen und sind so schnell wieder weg wie sie gekom­men sind.

Aber den­noch, im Nach­hin­ein ver­blas­sen die Erin­ne­run­gen an die meis­ten Kon­zerte wieder ziem­lich schnell und das gerade bei Bands und Loca­ti­ons, die man ver­gleichs­weise häufig sieht und besucht. Und so ver­su­che ich jetzt mal in Anleh­nung an die HOA-Berichte auch das Zusam­men­schrei­ben klei­ne­rer Kon­zert­er­leb­nisse zur Gewohn­heit zu machen, um viel­leicht eines Tages ein wenig in Erin­ne­run­gen zu schwel­gen.

Los geht’s jeden­falls mit dem Steel Held High“-Fes­ti­val, wel­ches am 9. März in Braun­schweig statt­fand!

Hin …

Die Stadt mit dem Löwen als Wahr­zei­chen ist für meine beiden Mit­strei­ter und mich gerade noch in beque­mer Bahn­reich­weite, um Frei­tag nach Fei­er­abend run­ter­zu­bret­tern und so errei­chen wir Braun­schweig in den frühen Abend­stun­den. Unser Hotel Celler Tor“ ist eher zweck­mä­ßig, aber sauber und preis­wert und liegt ähn­lich wie die Fes­ti­val-Loca­tion, das Jugend­zen­trum B58, nörd­lich außer­halb der Alt­stadt.

Nett: Gleich um die Ecke wirbt ein Eta­bliss­ment namens Bier- und Wurst­kon­tor (Kult!) mit dem Slogan Fut­tern wie bei Mutter‘n“ ([sic!] & Ober­kult!!). Meine Mutter kommt jetzt zwar nicht vom Balkan, aber sei’s drum: Ein Schei­ter­hau­fen aus gut gewürz­tem Fleisch mit Pommes und fri­schem Salat ist nach Malo­che und drei Bahn-Umstie­gen genau das Rich­tige – und bei Sli­wo­witz für ein­z­wan­zig sagen wir natür­lich auch nicht nein. Die exzel­len­ten Google-Bewer­tun­gen spre­chen für sich.

Eben­falls nett: Das Wol­ters–Pils wird diekt in Braun­schweig pro­du­ziert und prak­tisch über­all gereicht, wo man ein Bier ordert.

… hell­rai­sen …

Der Sams­tag­mor­gen beginnt dann zunächst mit einem gemüt­li­chen Hotel­f­rüh­stück, gefolgt von einem Alt­stadt­bum­mel. Diese kann sich sehen lassen, ins­be­son­dere die vielen Kir­chen machen was her, genau wie die zahl­rei­chen Fach­werk­bau­ten.

Doch eigent­lich sind wir ja in Sachen Heavy Metal unter­wegs und tref­fen pünkt­lich zur besten Kaf­fee­zeit im B58 ein. Gast­ge­ber ist der Metal­club hotel666, der einen ganz bezau­bern­den Job macht: Zwi­schen Ein­lass und Beginn der ersten Band gibt’s gratis Kaffee und Waf­feln, hin­ter­her blei­ben mit Sand­wi­ches und Chili keine Wün­sche offen. Auch am Geträn­ket­re­sen läuft alles rund, so dass eigent­lich nichts schief­ge­hen kann.

Aber wie gesagt, Metal! Los geht’s mit VELO­CITY aus Goslar, welche den meist undank­ba­ren Job haben, die Zuschauer anzu­hei­zen. Zuge­ge­be­ner­ma­ßen gelingt das in diesem Fall auch nur so mit­tel­mä­ßig: Obwohl die offen­bar stark von Maiden inspi­rier­ten Songs nicht übel sind, ernten die Jungs eher Höf­lich­keits­ap­plaus. Tak­tisch unklug ist auch, eine läng­li­che Bal­lade per Ansage als letzte Nummer zu ver­kau­fen – die erhoff­ten Rufe nach einer Zugabe blei­ben so natür­lich aus, aber einen amt­li­chen Raus­schmei­ßer gibt es letzt­lich den­noch zu hören.

Deut­lich wilder geht’s bei MES­SER­SCH­MITT zur Sache: Das liegt zum einen am Speed Metal, der seinem Namen in diesem Falle mehr als gerecht wird und sowieso im Under­ground gerade seinen zwei­ten Früh­ling feiert. Außer­dem ist Bas­sist Flo der wohl authen­tischste Poser unter der Sonne und zieht ein wahn­sinns Stage Acting ab – das Publi­kum ist ordent­lich auf­ge­peitscht und spä­tes­tens zum Schluss mit vollem Kör­per­ein­satz bei der Sache. Geiler Auf­tritt einer sau­sym­pa­thi­schen Truppe.

Das im Ver­gleich deut­lich gedie­ge­ne­rere Mate­rial von IRON KOBRA lockt im Anschluss zunächst nicht soo viele Mani­acs an den Büh­nen­rand, aber auch das ändert sich nach weni­gen Minu­ten. Auch wenn Kobra Cru­sa­ders trotz laut­star­ker For­de­run­gen (ähem) schon wieder nicht gespielt wurde, blei­ben keine Wün­sche offen. Das sau­coole Kerker & Dra­chen von der gleich­na­mi­gen EP macht auch live Rie­sen­spaß und der Speed­bi­ker wird mal wieder in Rekord­ge­schwin­dig­keit run­ter­ge­spielt. Rou­ti­nier­ter, aber geiler Auf­tritt.

Nur eine kurze Ver­schnauf­pause gibt es, dann kommen Musi­ker aller bisher an diesem Abend auf­ge­tre­te­nen Bands zum All­stars–Spe­cial wieder auf die Bühne. Etwas chao­tisch, aber mit viel Enthu­si­as­mus werden ein paar Klas­si­ker zum Besten gege­ben, die vom Publi­kum fre­ne­tisch abge­fei­ert werden. Höhe­punkt war neben der an Epik kaum zu über­bie­ten­den Battle Hymn der MANILLA-ROAD-Ever­green Necro­po­lis: Stil­echt von nem Typen aus dem Publi­kum mit zuge­hal­te­ner Nase gesun­gen – soll ja schließ­lich wie das Ori­gi­nal klin­gen! Keine Ahnung wie viele Umdre­hun­gen Mark Shel­ton in seinem Grab hin­ge­legt hat, aber bei allem Spaß an der Sache waren die Betei­lig­ten auch mit einer Menge Herz­blut dabei.

Gespannt war ich auf MARTYR, die trotz ihrer nie­der­län­di­schen Her­kunft vor gut drei­ßig Jahren mit bestem NWoBHM-Sound bril­lier­ten. Wäh­rend die Instru­men­tal­frak­tion durch­aus über­zeugte hat mich Sänger Robert van Haren nicht ganz vom Hocker geris­sen. Ich kaufe ihm durch­aus ab, dass er mit ganzem Herzen bei der Sache ist, aber die Grat­wan­de­rung zwi­schen Kult und Fremd­scham seiner Show gelingt in Braun­schweig leider nicht immer und auch die ande­ren Publi­kums­re­ak­tio­nen schie­nen etwas gespal­ten. Trotz klasse Songs und nach wie vor guter Grund­stim­mung, nicht ganz so geiler Auf­tritt.

Der anschlie­ßende über­lange Sound­check von TYTAN gibt dem Abend zunächst einen klei­nen Dämp­fer, mag aber auch auf etwas feh­lende Rou­tine zurück­zu­füh­ren sein. Die NWoBHM-Vete­ra­nen haben mich zuletzt auf dem HOA 2016 ziem­lich geflasht. Seit dem hat das Rough Justice“-Album bei mir viele Runden gedreht und klingt auch 34 Jahre nach Erschei­nen live immer noch erstaun­lich frisch und unbe­schwert. Wür­di­ger Abschluss eines sehr gelun­ge­nen Abends, geiler Auf­tritt!

… und weg

Das war’s also, das Steel Held High 2019. Obwohl, nicht ganz: Im Hotel-Früh­stücks­raum sind wir zumin­dest noch mal TYTAN und MARTYR begeg­net, die augen­schein­lich auch noch ne Ecke ver­ka­ter­ter waren als wir. 

Knap­pes Fazit: Die Damen und Herren vom H666 sind tolle Gast­ge­ber und auch B58 wird uns als gemüt­li­che Kon­zert­lo­ca­tion in Erin­ne­rung blei­ben. Nicht ganz aus­zu­schlie­ßen also, dass wir uns in den nächs­ten Jahren noch mal wieder sehen! 

Ein paar hoch­wer­ti­gere Fotos als die ver­wa­ckel­ten Kack-Schnapp­schüsse aus der fei­ern­den Crowd gibt es übri­gens eben­falls drüben beim hotel666.