Smarter Fernsehen (Teil 3): Medien konsumieren

In dieser kurzen Arti­kel­reihe beschreibe ich ein Setup, um mit mit­hilfe eines Linux-PCs einem kon­ven­tio­nel­len Fern­se­her einen Hauch von Smart-TV zu ver­pas­sen.

Nach­dem das grund­sätz­li­che Setup nun geklärt (Teil 1) und kon­fi­gu­riert (Teil 2) ist, kann es jetzt ums Wich­tige gehen: Füße hoch, Fern­sehn an, Arschle­cken.

Dieser abschlie­ßende Teil gibt ein paar Hin­weise für mög­lichst kom­for­ta­blen Genuss von Videos (Linear­fern­se­hen, Strea­m­ing und Media­the­ken), Musik und natür­lich ein biss­chen Spie­le­rei.

1. Videos / Fern­se­hen

1.1 Net­flix und andere Strea­m­ing-Anbie­ter

Die kom­mer­zi­el­len Strea­m­ing-Dienste lassen sich ganz gewöhn­lich per Brow­ser nutzen. Mit Google Chrome geht dies ganz ohne zusätz­li­che Auf­wände, bei Fire­fox muss zunächst in den Ein­stel­lun­gen die Option Inhalte mit DRM-Kopier­schutz wie­der­ge­ben“ akti­viert werden.

1.2 YouTube

Auch YouTube lässt sich natür­lich im Lieb­lings­brow­ser ver­wen­den. Der alte Voll­bild-TV-Modus unter youtube​.com/tv wurde leider vor kurzem abge­schal­tet.

Ganz char­mant ist jedoch das Fire­fox-Addon Auto Full­screen, das nichts ande­res macht, als Fire­fox nach dem Star­ten auto­ma­tisch in den Voll­bild­mo­dus zu ver­set­zen.

Eben­falls nett: Dass Fire­fox-Addon Plasma Inte­gra­tion, wel­ches – zusam­men mit dem Linux-Paket plasma-browser-integration – für ein har­mo­ni­sche­res Zusam­men­spiel von Brow­ser und Desk­top sorgt. 

1.3 Öffent­lich-recht­li­ches Fern­se­hen strea­men

Wie­der­mal bietet sich der Brow­ser an, denn alle öffent­lich-recht­li­chen Sender bieten ihre Streams ein­ge­bet­tet auf den jewei­li­gen Web­sites an. Wer statt­des­sen lieber per VLC (oder ande­rer Video-App) gucken will, kann die Streams auch direkt auf­ru­fen oder ent­spre­chende Lesezeichen/​Verknüpfungen anle­gen. Eine kleine Aus­wahl an Stream-URLs:

Sender Stream-URL
ARD https://​mcdn​.daserste​.de/​d​a​s​e​r​s​t​e​/​d​e​/​m​a​s​t​e​r​_​2​6​6​0​.m3u8
ZDF https://​zdf​-hls​-01​.aka​mai​zed​.net/​h​l​s​/​l​i​v​e​/​2​0​0​2​4​6​0​-​b​/​d​e​/​d​5​8​1​6​a​3​4​2​9​5​a​1​c​a​0​d​e​c​b​1​b​5​6​b​6​9​7​d​e​5​3​/​5​/​5​.m3u8
3sat https://​zdfhl​s18​-​i​.aka​maihd​.net/​h​l​s​/​l​i​v​e​/​7​4​4​7​5​1​/​d​a​c​h​/​h​i​g​h​/​m​a​s​t​e​r​.m3u8
BR https://​mcdn​.br​.de/​b​f​s​_​s​u​e​d​/​d​e​/​p​r​o​f​i​l​e​2​/​p​l​a​y​l​i​s​t​.m3u8
HR https://​hrli​ve1​-lh​.aka​maihd​.net/​i​/​h​r​_​f​e​r​n​s​e​h​e​n​@​7​5​9​1​0​/​i​n​d​e​x​_​8​0​0​0​_​a​v​-​b​.m3u8
MDR https://​mdrs​nhls​-lh​.aka​maihd​.net/​i​/​l​i​v​e​t​v​m​d​r​s​a​c​h​s​e​n​_​d​e​@​5​1​3​9​9​8​/​i​n​d​e​x​_​3​7​7​6​_​a​v​-​b​.m3u8
NDR (SH) https://​ndrfs​-lh​.aka​maihd​.net/​i​/​n​d​r​f​s​_​s​h​@​4​3​0​2​3​4​/​i​n​d​e​x​_​3​7​7​6​_​a​v​-​b​.m3u8
rbb http://​rbblive​-lh​.aka​maihd​.net/​i​/​r​b​b​_​b​e​r​l​i​n​@​1​4​4​6​7​4​/​m​a​s​t​e​r​.m3u8
SWR (BW) https://​swrbw​hls​-​i​.aka​maihd​.net/​h​l​s​/​l​i​v​e​/​6​6​7​6​3​8​/​s​w​r​b​w​d​/​m​a​s​t​e​r​.m3u8
WDR https://​wdrfs​geo​-lh​.aka​maihd​.net/​i​/​w​d​r​f​s​_​g​e​o​g​e​b​l​o​c​k​t​@​5​3​0​0​1​6​/​i​n​d​e​x​_​3​7​7​6​_​a​v​-​b​.m3u8
Arte https://​arte​live​-lh​.aka​maihd​.net/​i​/​a​r​t​e​l​i​v​e​_​d​e​@​3​9​3​5​9​1​/​i​n​d​e​x​_​1​_​a​v​-​b​.m3u8

Die meis­ten Streams kommen sogar in HD-Auf­lö­sung, können aber nur inner­halb Deutsch­lands auf­ge­ru­fen werden. Noch mehr Stream-URLs gibt es bei Bedarf drüben bei den Ubun­tuUsers.

Ein nettes Werk­zeug, um URLs von Brow­ser­streams her­aus­zu­krie­gen, ist übri­gens der Video Down­load­Hel­per (Chrome / Fire­fox). Ein­fach einen Stream im Brow­ser laufen lassen und dann auf den Addon-Button kli­cken: Die Stream-URL wird auto­ma­tisch extra­hiert und kann von dort in die Zwi­schen­ab­lage kopiert werden.

Was mir noch fehlt ist eine schöne Anwen­dung, die alle TV-Streams nett zugäng­lich macht. Free­tuxTV geht in die Rich­tung, ist aber sehr spar­ta­nisch – so fehlt ins­be­son­dere ein ver­nünf­ti­ges Import-​/​Export-​Feature für Sen­der­lis­ten. Alter­na­tiv tun es aber auch han­dels­üb­li­che Ver­knüp­fun­gen, die den Stream dann ein­fach per Maus­klick in VLC öffnen.

Alter­na­tiv zum Han­tie­ren mit Stream-URLs lassen sich natür­lich auch pro­prie­täre Dienste wie etwa Zattoo nutzen – hier kann man sich gegen Bares auch den pri­va­ten Müll zu Gemüte führen. Oder man setzt mit ent­spre­chen­der Hard­ware eben auf DVB-T2, was für uns aber nicht in Frage kam.

1.4 Media­the­ken

Wer seine Lieb­lings­sen­dung ver­passt hat oder all­ge­mein auf linea­res Fern­se­hen pfeift, ist mit den Media­the­ken der öffent­lich-recht­li­chen Sender gut bedient. Leider kocht jeder Sender sein eige­nes Süpp­chen, doch es gibt Alter­na­ti­ven:

1.4.1 Media­thek­View

… ist ver­mut­lich schon hin­läng­lich bekannt? Es han­delt sich um eine in Java geschrie­bene Anwen­dung, mit wel­cher sich alle Media­the­ken zen­tral nutzen lassen. Sen­dun­gen können wahl­weise direkt gestreamt oder her­un­ter­ge­la­den werden. Wenn man Abos anlegt, werden die betref­fen­den Sen­dun­gen sogar auto­ma­tisch im Hin­ter­grund her­un­ter­ge­la­den.

Media­thek­View ist für prak­tisch alle Dis­tri­bu­tio­nen ver­füg­bar. Ledig­lich bei KDE Neon wurde mir im Ter­mi­nal nur fol­gende Mel­dung vor­ge­setzt, ohne dass sich das Pro­gramm öff­nete:

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JavaFX wurde nicht im klassenpfad gefunden. 
Stellen Sie sicher, dass Sie ein Java JRE ab Version 8 benutzen. 
Falls Sie Linux nutzen, installieren Sie das openjfx-Paket ihres Package-Managers,
oder nutzen Sie eine eigene JRE-Installation.
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Die Ursa­che konnte ich auch nach eini­ger Recher­che nicht hun­der­pro­zen­tig fest­stel­len, denn die rich­tige JRE war instal­liert. Schnelle Abhilfe schuf aber der Pro­gramm-Down­load direkt von der Pro­jekt­seite, wel­cher eine neuere Ver­sion instal­liert als die im Repo­si­tory vor­ge­hal­tene – und die lief dann auch ohne zu Murren.

Wem die Schrift­größe zu klein ist, der kann sie im Menü unter Ansicht“ ver­grö­ßern. Ein­zi­ger Nach­teil: Die Schrift der Menüs ist in der Größe unver­än­der­lich; eine sys­tem­weite DPI-Ein­stel­lungs­mög­lich­keit für Java-Anwen­dun­gen ist mir bisher nicht bekannt.

1.4.2 QMe­dia­thek­View

Ich hab’s selbst nicht aus­pro­biert, aber wer auf Java ver­zich­ten möchte, kann einen Blick auf QMe­dia­thek­View werfen. Das Pro­gramm ver­wen­det Qt für die Ober­flä­che, bietet aber nicht so viele Funk­tio­nen wie das java­ba­sierte Vor­bild. Es gibt auch ein pas­sen­des AppI­mage, das sich ohne Instal­la­tion star­ten lässt – wie immer bei Soft­ware frem­den Ursprungs ist hier Vorsicht/​Vertrauen gebo­ten.

1.4.3 Für den Brow­ser: Media­thek­View­Web

Auch die Media­the­ken lassen sich prima vom Brow­ser aus nutzen. Ein­fach ein Lese­zei­chen zu Media­thek­View­Web anle­gen. Auch hier lassen sich Sen­dun­gen nicht ganz so prä­zise fil­tern, aber für den Alltag langt’s dicke.


2. Musik

2.1 Spo­tify

Spo­tify wird für Debian/​Ubuntu als (pro­prie­tä­res) Paket ange­bo­ten und läuft ganz anstän­dig.

Ein­zi­ges Manko: Die DPI-Rate lässt sich in der Kon­fi­gu­ra­tion nicht anpas­sen. Unter Umstän­den werden also Adler­au­gen benö­tigt, um die Appli­ka­tion zu steu­ern.

Wer Spo­tify also auf einem HiDPI-Gerät (und/​oder aus grö­ße­rer Ent­fer­nung) nutzen möchte, star­tet das Pro­gramm daher mit dem Befehl --force-device-scale-factor=1.5, wobei der Wert 1.5 nach Belie­ben ange­passt werden kann. Sys­tem­weit lässt sich diese Kon­fi­gu­ra­tion fest­le­gen, indem die Datei /usr/share/applications/spotify.desktop wie folgt ange­passt wird:

Die Zeile

Exec=spotify %U

wird ersetzt durch

Exec=spotify --force-device-scale-factor=1.5 %U

(via)

Wer Spo­tify kos­ten­los nutzt, muss gele­gent­li­che Unter­bre­chun­gen durch Werbe-Spots hin­neh­men. Wer trotz­dem kein Pre­mium-Abo kaufen möchte, kann Spo­tify wer­be­frei im Brow­ser nutzen, wenn ein Wer­be­blo­cker wie etwa uBlock Origin (Chrome / Fire­fox) instal­liert ist.

2.2 Öffent­lich-recht­li­ches Radio

Genau wie oben im Abschnitt zum Fern­se­hen erläu­tert, bieten sich hier glei­cher­ma­ßen Brow­ser und prä­fe­rier­ter Audio-Player an – letz­te­rer zumin­dest, wenn man die Stream-URLs kennt und ent­spre­chend abspei­chert.

Hier­für haben andere bereits umfang­rei­che Listen ange­legt, daher spare ich mir sel­bi­ges an dieser Stelle.


3. Spie­len

Spie­len unter Linux klappt auf dem Fern­se­her so gut oder schlecht, wie sonst auch. Was sich aber natür­lich anbie­tet, ist ein Game­pad anzu­schlie­ßen und einen Kon­so­len-Emu­la­tor anzu­wer­fen. Hard­ware­mä­ßig gibt es aus Fern­ost eine große Band­breite an Game­pads, die häufig mit Kom­pa­ti­be­li­tät für den Raspberry Pi (sprich: GNU/​Linux) bewor­ben werden. Posi­ti­ves gehört habe ich bei­spiels­weise über die Blue­tooth-Game­pads von 8BitDo, die wahl­weise über Gearbest/​AliExpress oder Amazon bezo­gen werden können.

Was auch super klappt und extrem Spaß macht: ScummVM instal­lie­ren und auf dem großem Bil­schirm mit kabel­lo­ser Maus mal wieder alte Adven­tures zocken. Wir uns erst kürz­lich durch Monkey Island (mit nach­ge­rüs­te­ter Sprach­aus­gabe!) und Day of the Ten­ta­cle geklickt.

Ansons­ten läuft natür­lich Steam mitt­ler­weile ganz anstän­dig unter Linux. Wobei es unter Umstän­den sinn­voll sein kann, die Win­dows-Ver­sion via Wine zu instal­lie­ren – etwa wenn ältere Spiele zwar nicht für Linux ange­bo­ten werden, aber wie­derum gut mit Wine laufen.


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~andwil

Geek aus Kiel. Tobt sich hier vor allem über den Open-Source-Kosmos im Allgemeinen (und Linux im Speziellen) sowie Heavy Metal aus.