Smarter Fernsehen (Teil 2): Konfiguration

In dieser kurzen Arti­kel­reihe beschreibe ich ein Setup, um mit mit­hilfe eines Linux-PCs einem kon­ven­tio­nel­len Fern­se­her einen Hauch von Smart-TV zu ver­pas­sen.

Wie in Teil 1 beschrie­ben ent­schied ich mich nach eini­gem Pro­bie­ren dafür, ein ganz gewöhn­li­ches Desk­top-Linux“ gering­fü­gig auf die Beson­der­hei­ten anzu­pas­sen, die da wären:

  • ein großer Bild­schirm (sprich: Fern­se­her)
  • Audio per HDMI-Kabel auf dem Fern­se­her

Dieser Teil gibt einige Anre­gun­gen inklu­sive kon­kre­ter Kon­fi­gu­ra­ti­ons­tipps sowie Hil­fe­stel­lun­gen bei Pro­blem­chen, über die ich gestol­pert bin.

0. Vorab: Wahl der Dis­tri­bu­tion / des Desk­tops

Wie üblich auf diesen Seiten emp­fehle ich natür­lich GNU/​Linux und beschränke meine Erklä­run­gen auch auf eben­je­nes Betriebs­sys­tem. Grund­sätz­lich spielt die Wahl der Dis­tri­bu­tion keine große Rolle, solange die ver­wen­dete Hard­ware unter­stützt wird. 

Dieser Arti­kel bezieht sich auf Debian zusam­men mit KDE Plasma –wer andere Vor­lie­ben und schon mal ein Linux instal­liert und kon­fi­gu­riert hat, kann die Hin­weise hier sicher­lich auf seine Dis­tri­bu­tion bzw. seinen Lieb­lings-Desk­top adap­tie­ren.


1. Kom­fort

1.1 Dock und Ver­knüp­fun­gen

Ich finde es zwar eini­ger­ma­ßen lächer­lich, mit Linux typi­sche MacOS-Ele­mente nach­zu­ah­men, aber ein Dock mit schön großen Icons ist für die has­tige Bedie­nung schon recht kom­for­ta­bel: Denn wie in Teil 1 beschrie­ben, ver­wen­den wir als Fern­steue­rung eine Tas­ta­tur-Touch­pad-Kom­bi­na­tion, mit der man Drop­down-Unter-Unter­me­nüs nicht immer auf Anhieb trifft.

Für KDE Plasma emp­fiehlt sich Latte Dock. Das lässt sich sehr viel­sei­tig kon­fi­gu­rie­ren, wobei die Default-Ein­stel­lun­gen schon recht hübsch anzu­se­hen sind. Wer sich für einen GTK-basier­ten Desk­top ent­schie­den hat (z.B. Gnome oder Xfce), mag sich viel­leicht Docky oder das simp­lere Plank anse­hen.

Je nach Geschmack bieten sich natür­lich auch der nor­male oder ein Voll­bild-Laun­cher an. Mir war es aber wich­tig, nicht durch Auf­klapp­me­nüs navi­gie­ren zu müssen. Als klei­nes Gim­mick lassen sich neben App-Ver­knüp­fun­gen natür­lich auch Links zu den bevor­zug­ten Strea­m­ing-Por­ta­len ergän­zen, die dann ganz ein­fach im Stan­dard-Brow­ser geöff­net werden.

1.2 Auto­ma­ti­sche Updates

Wer will schon Updates auf seinem Fern­se­her instal­lie­ren? Wäre doch nett, wenn dies auto­ma­tisch im Hin­ter­grund geschieht, wäh­rend man sich wie gewohnt berie­seln lässt.

Debian-Nutzer ver­wen­den hier­für das Paket unattended-upgrades und kon­fi­gu­rie­ren es wie im Debian-Wiki beschrie­ben. Das ganze funk­tio­niert prak­tisch genau so bei Ubuntu-basier­ten Dis­tri­bu­tio­nen.


2. Grafik

Wer keinen rie­si­gen Fern­se­her hat und/​oder auch ohne Seh­hilfe klar­kom­men will, sollte die DPI-Rate seines Rech­ners hoch­schrau­ben. Damit werden auch enge Menüs gut lesbar.

Bei Plasma öffnet man hierzu die Sys­tem­ein­stel­lun­gen, klickt zur Anzeige-Ein­rich­tung und ver­wen­det den Schie­ber für die glo­bale Ska­lie­rung“. Alter­na­tiv kann man unter Schrift­ar­ten“ einen DPI-Wert defi­nie­ren.


3. Sound

3.1 Mixer / Den rich­ti­gen Output wählen

Sound sollte dank HDMI out-of-the-box funk­tio­nie­ren. Schlimms­ten­falls muss dem System nur noch mit­ge­teilt werden, dass HDMI als Sound-Aus­gang ver­wen­det werden soll. Ich benutze hier­für gerne Pul­se­Au­dio Volume Con­trol (pavucontrol bzw. pavucontrol-qt): Im Reiter Kon­fi­gu­ra­tion“ sollte sich unter Pro­file“ ein Punkt wie Digi­tal Stereo (HDMI)-Ausgabe + Analog Stereo-Ein­gabe“ finden. Je nach ver­wen­de­tem Gerät und Anschluss muss natür­lich vari­iert werden.

3.2 Sound-Trou­ble­shoo­ting

Ein paar Eigen­hei­ten von Pul­se­Au­dio soll­ten bei Bedarf noch abge­stellt werden:

3.2.1 Kein HDMI-Sound mehr, wenn Fern­se­her aus dem Standby erwacht

Pul­se­Au­dio wech­selt auto­ma­tisch die Sound-Aus­gabe, wenn der per HDMI ange­schlos­sene Fern­se­her aus­ge­schal­tet wird oder in den Standby geht. Umge­kehrt wech­selt PuleAu­dio aber nicht zurück auf die HDMI-Aus­gabe, wenn das Gerät wieder ein­ge­schal­tet wird, so dass der Schritt aus Abschnitt 3.1 regel­mä­ßig wie­der­holt werden muss.

Fol­gende Kon­fi­gu­ra­tion sollte Abhilfe schaf­fen:

  1. Öffne die Datei /etc/pulse/default.pa mit Root-Rech­ten
  2. Suche nach der Stelle load-module module-switch-on-port-available und kom­men­tiere die Zeile aus. So in etwa sollte die Zeile dann aus­se­hen:
    …
    ### Should be after module-*-restore but before module-*-detect
    #load-module module-switch-on-port-available
    …

(via)

3.2.2 Stör­ge­räu­sche, wenn Audio-Aus­gabe beginnt

Wenn nach eini­ger Zeit ein Audio-Signal ertö­nen soll, bekommt man u.U. jedes Mal zunächst ein kurzes Knar­zen zu hören. Das hängt damit zusam­men, dass Pul­se­Au­dio die Sound­aus­gabe in den Standby schickt, wenn sie einige Zeit nicht benutzt wurde. Dieses Ver­hal­ten lässt sich abschal­ten:

  1. Öffne /etc/pulse/default.pa mit Root-Rech­ten
  2. Suche die Zeile load-module module-suspend-on-idle und kom­men­tiere sie wie folgt aus:
    #load-module module-suspend-on-idle
  3. Spei­chere die Ände­run­gen und öffne nächs­tes die Datei /etc/pulse/system.pa (wieder mit Root-Rech­ten)
  4. Auch hier wird das Modul aus­kom­men­tiert:
    #load-module module-suspend-on-idle

4. NAS-Anbin­dung

Wer bei­spiels­weise seine Musik oder Filme auf einem loka­len Server (sprich: NAS) bereit­stellt, weiß ver­mut­lich auch wie er diesen in sein System ein­bin­det. Als Gedächt­nis­stütze ver­linke ich hier daher nur auf den Arti­kel zu cifs bei den Ubun­tuusers.

Wer seinen Netz­werk­spei­cher mit­tels Fritz­NAS rea­li­siert, kann diesen prak­tisch genau so in sein System ein­bin­den.


Wie geht’s weiter?

So, damit steht das Grund­sys­tem. Im drit­ten Teil geht’s dann ums wirk­lich inter­es­sante: Medi­en­kon­sum!


Smar­ter Fern­se­hen: alle Arti­kel

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~andwil

Geek aus Kiel. Tobt sich hier vor allem über den Open-Source-Kosmos im Allgemeinen (und Linux im Speziellen) sowie Heavy Metal aus.