„Send Back my Stamps“ – alte Metal-Fanzines online lesen

In einer unauf­fäl­li­gen Rand­no­tiz der aktu­el­len Deaf Fore­ver bin ich auf eine schwer­me­tal­li­sche Online-Perle gesto­ßen: Das Blog Send Back my Stamps! hat es sich zum Auf­trag gemacht, alte Metal-Maga­zine zu sam­meln und der Online-Nach­welt ver­füg­bar zu machen.

Erstaun­lich ist schon die schiere Anzahl an Fan­zines, die in den Acht­zi­ger- und Neun­zi­ger­jah­ren in weiten Teilen der Welt aus dem Boden schos­sen. Doch wäh­rend heute jeder eine Blog­spot-Seite ins Inter­net rotzen kann, war im Prä-Inter­net-Zeit­al­ter noch einige Fleiß­ar­beit gefragt: Zumeist sind die Hefte mühe­voll aus aus­ge­schnit­te­nen Text­blö­cken, Fotos und (Hand-)Zeichnungen unter Zuhil­fe­nahme eines Kopie­rers gelay­ou­tet und ver­viel­fäl­tigt worden. Das sieht mal eher rus­ti­kal, aber auch schon mal wirk­lich kunst­voll aus.

In der Natur der Sache liegt natür­lich auch, dass kein pro­fes­sio­nel­ler Verlag invol­viert war und auch Abos und Post­ver­sand not­falls im hei­mi­schen Kin­der­zim­mer orga­ni­siert wurden. Dies erklärt übri­gens auch den läng­li­chen Titel des Blogs: Aus­ge­fuchste Hobby-Ver­le­ger ver­wen­de­ten aller­lei Hilfs­mit­tel, um zu ver­hin­dern, dass die zum Ent­wer­ten der Brief­mar­ken ver­wen­dete Tinte haftet und baten den Emp­fän­ger, die schein­bar jung­fräu­li­chen Marken zur Wie­der­ver­wen­dung zurück­zu­schi­cken.

Bei­spiel­hafte Aus­züge aus der seit 2010 öffent­li­chen Samm­lung

Die totale Unab­hän­gig­keit von Ver­la­gen brachte zudem den Charme mit sich, dass die Hefte mit­un­ter sehr spe­zi­elle Aspekte, etwa nur ein­zelne Sub-Genres, behan­del­ten und und auch mal ziem­lich derben Humor mit­brach­ten. Beson­ders span­nend: Viele der bear­bei­te­ten Bands gingen kurze Zeit später kom­plett durch die Decke oder werden heute zumin­dest als Under­ground-Acts ver­ehrt – oder sind ein­fach kom­plett in der Ver­ges­sen­heit ver­sun­ken. So oder so fühlt sich das Blät­tern“ in den Scans wie eine Zeit­reise an.

Klare Emp­feh­lung also: Hülse auf, Platte auf­le­gen und stun­den­lang schmö­kern! Hier: send​back​mys​tamps​.org.

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~andwil

Geek aus Kiel. Tobt sich hier vor allem über den Open-Source-Kosmos im Allgemeinen (und Linux im Speziellen) sowie Heavy Metal aus.