Reingehört VII

Die Suche nach brauchbaren Plattenläden in meiner neuen Umgebung geht weiter – und verläuft recht produktiv. Diesmal verschlug es mich zu einem ausgesprochen gut sortierten Laden, geführt von einem ex-ausgebranntem Ex-Bänker („Musik Shop“ am Wilhelmsplatz, Kiel).

Gut gefallen hat mir auch „Blitz Records“, anderthalb Minuten vom Kieler Hbf entfernt. Neues und gebrauchtes, Faire Preise, ausgewogenes Angebot. Auf geht’s:

Attacker – The Second Coming

(Album, 1988)

US-Powermetal ist so gar keines meiner Spezialgebiete, deshalb halte ich mich hier mit Verweisen auf vergleichbares Material zurück. Mit Sicherheit kann ich aber sagen, dass „The Second Coming“ trotz seiner Heavyness (ist das ein Wort?) sehr vielseitig und durchaus virtuos gespielt ist. Einziger Schwachpunkt ist der Gesang, der mir eine Spur zu limitiert klingt.

Interessant ist, dass das mir vorliegende 1999er Re-Release ein anderes Cover als die Erstauflage (mit M16 und Kalashnikow) hat. Vielleicht schien das Motiv nach dem kalten Krieg nicht mehr aktuell, aber so recht will der rote Drache nicht zum Sound des Albums passen.

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Anvil – Speed Of Sound / Plenty Of Power

(Bundle, 2012 (1998/2000))

Bleiben wir in Nordamerika: ANVIL habe ich letztlich erst durch die liebevolle Doku The Story of Anvil schätzen gelernt. Kurz darauf wurden einige Alben jeweils als Doppelpack erneut veröffentlicht und erlauben so einen günstigen und schnellen Einstieg in das Schaffen der Band, die in der Vergangenheit leider viel Mittelmaß produziert hat.

„Speed of Sound” (1998) und „Plenty of Power“ (2000) zählen so ebenfalls eher nicht zu den Höhepunkten der Diskographie, dennoch handelt es sich hier um zwei grundsolide Heavy-Metal-Alben, auf denen alle ANVIL-Trademarks zu finden sind: Schnörkelloses Riffing, rock’n‘rolliges Drumming, die richtige Dosis Groove und eine Menge Fuck-You-Attitüde. Beide Alben sind keine Must-Haves, machen aber trotzdem Spaß und können für kleines Geld verhaftet werden.

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Gamma Ray – Blast from the Past

(Best-of, 2000)

Best-ofs kaufe ich eigentlich grundsätzlich nicht, doch dieses sagenhaft hässliche Motiv musste ich mir einfach für einen Fünfer ins Regal stellen!

Zu Hause dann die Überraschung: Auf der ersten CD befinden sich Klassiker aus der Ralf-Scheepers-Ära, neu aufgenommen und eingesungen von Kai Hansen. Wer auf Kais Gesang nicht klarkommt, sollte das Digipack sofort entsorgen – wer (wie ich) die alten Lieder mit Kais Stimme kennengelernt hat, findet hier eine umso spannendere Alternative. Gesanglich hat Ralf meiner Meinung nach ohnehin erst nach seiner Zeit bei GAMMA RAY einen guten Level erreicht, insofern lohnte sich die Neuaufnahme in meinen Ohren gleich doppelt.

Die zweite CD bietet eine bunte Mischung von Nummern aus der Kai-Hansen-Zeit, ebenfalls neu eingespielt. Die Songs wurden übrigens per Internetvoting ausgewählt – das muss 2000 ein ziemlicher Burner gewesen sein. Und: Offensichtlich gingen damals solche Aktionen noch nicht automatisch in die Hose, denn die Auswahl ist vielseitig und eben nicht auf die großen Gassenhauer beschränkt. So soll das sein!

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~andwil

Geek aus Kiel. tobt sich hier vor allem über den Open-Source-Kosmos im Allgemeinen (und Linux im Speziellen) sowie Heavy Metal aus.