Reingehört III

Perdauz, da bin ich doch glatt in das direkte Einzugsgebiets eines urigen 2nd-Hand-Plattenladens gezogen. So schlecht sortiert wie die Regale sind, so verqualmt ist der kleine Schuppen. Der Verkäufer, dessen langes Haar mittlerweile dünn und weiß ist, quittiert jeden CD-Kauf mit einem „Hm, die hatt ich damals noch als Schallplatte“ – kultige Nummer also! Und noch dazu eine ergiebige Quelle für klassischen Heavy Metal:

Brimstone – Carving A Crimson Career

(Album, 1999)

… doch zunächst etwas weniger altbackenes: Die schwedische Kapelle BRIMSTONE existierte 1999 nicht mal ein Jahr lang und brachte dementsprechend lediglich eine LP raus, die über Nuclear Blast erschien.

Gezockt wird … ja was eigentlich? Power Metal mit Gutturalgesang trifft es gut. Die sanfteren Stücke der mächtigen GRAILKNIGHTS klingen denen von BRIMSTONE sehr ähnlich, ansonsten fällt mir spontan kein Vergleich ein. In die melodische Death-Metal-Schublade will ich den Schwedenschwefel jedenfalls eigentlich nicht stecken.

Weltbewegend ist die Scheibe nicht, enthält mit Pagan Sons und Heavy Metal Kid aber gerade mal zwei Ausfälle und weiß ansonsten durch durch die simplen aber schönen Gitarrenmelodien zu gefallen. Ein, zwei weitere Alben der Band hätten sicher niemandem wehgetan.

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Running Wild – Branded And Exiled

(Album, 1985 [CD-Erstauflage: 1988])

Ein längst überfälliger Kauf und eigentlich muss man über RUNNING WILDs Zweitwerk kein Wort mehr verlieren. „Branded and Exiled“ ist vielleicht kein Meilenstein des deutschen Heavy Metals, liefert mit Chains and Leather und dem Titeltrack aber gleich zwei unsterbliche Hymnen.

Leider enthält das letzte nicht-piratige Album der Hanseaten durchaus etwas Mittelmaß und Mordor gefällt mir auf der späteren Live-Platte „Ready for Boarding“ mit etwas mehr Tempo noch deutlich besser.

So ist die Branded and Exiled unterm Strich eher kein Must-Have – vor allem weil Rock’n‘Rolfs Songwriting in den späteren Jahren noch deutlich besser wurde (bevor es Ende der Neunziger rapide bergab ging).

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Stormwitch – War Of The Wizards

(Album, 1992))

Zum Schluss noch etwas Kitsch! Die süddeutschen STORMWITCH haben bereits Ende der Siebziger Musik gemacht und ihre Karriere mit rohem Heavy Metal begonnen. Im Laufe der Zeit legte man Ketten und Nieten ab und wählte einen weicheren Stil.

Heavy Metal ist das ’92er Konzeptalbum „War of the Wizards“ trotzdem. Es wird Tolkiens Herr der Ringe aufgegriffen und vertont, was durchaus als gelungen zu bewerten ist. Leider musste die englische Sprache dann und wann ziemlich verbogen werden, damit der Reim passt – aber das tun wir mal als besonderen Charme ab. Das Ganze klingt wie gesagt eher soft und erinnert grob an ganz frühe HAMMERFALL oder auch HELLOWEEN zur „Keeper …“-Zeit.

Schade, dass der Auftritt auf dem diesjährigen Headbangers Open Air abgesagt wurde, STORMWITCH hätte ich mir gern angesehen!

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~andwil

Geek aus Kiel. Tobt sich hier vor allem über den Open-Source-Kosmos im Allgemeinen (und Linux im Speziellen) sowie Heavy Metal aus.