Reingehört III

6. Juli 2013 | #reingehoert #metal #brimstone #runningwild #stormwitch

Na sowas, da bin ich doch zufällig fast vor die Tür eines urigen Second-Hand-Plattenladens gezogen. So schlecht sortiert wie die Regale sind, so verqualmt ist der kleine Schuppen. Der Verkäufer, dessen langes Haar mittlerweile dünn und weiß ist, quittiert jeden CD-Kauf mit einem „Hm, die hatt' ich damals noch als Schallplatte“ – kultige Nummer also! Und noch dazu eine ergiebige Quelle (nicht nur) für klassischen Heavy Metal.

Wer mal in Kiel ist, sollte also Jam 66 also ruhig mal einen Besuch abstatten. Zeit mitbringen und in Ruhe stöbern lohnt, hier gibt es insbesondere viele Klassiker für kleines Geld!

Brimstone – Carving A Crimson Career

(Album, 1999)

Beginnen wir aber mit etwas weniger altbackenem: Die schwedische Kapelle BRIMSTONE existierte 1999 nicht mal ein Jahr lang und brachte dementsprechend lediglich eine LP raus, die über Nuclear Blast erschien.

Gezockt wird … ja was eigentlich? Power Metal mit Gutturalgesang trifft es gut. Die sanfteren Stücke der mächtigen GRAILKNIGHTS klingen denen von BRIMSTONE sehr ähnlich. Hätten CHILDREN OF BODOM zur selben Zeit Heavy-Metal-Songs geschrieben, wäre wohl etwas ganz ähnliches dabei rausgekommen.

Weltbewegend ist die Scheibe nicht, enthält mit Pagan Sons und Heavy Metal Kid aber gerade mal zwei Ausfälle und weiß ansonsten durch durch die simplen aber schönen Gitarrenmelodien zu gefallen. Ein, zwei weitere Alben der Band hätten sicher niemandem wehgetan.

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Running Wild – Branded And Exiled

(Album, 1985 [CD-Erstauflage: 1988])

Ein längst überfälliger Kauf und eigentlich muss man über RUNNING WILDs Zweitwerk kein Wort mehr verlieren. „Branded and Exiled“ ist vielleicht kein Meilenstein des deutschen Heavy Metals, liefert mit Chains and Leather und dem Titeltrack aber gleich zwei unsterbliche Hymnen.

Leider enthält das letzte nicht-piratige Album der Hanseaten durchaus etwas Mittelmaß und manche Nummer wie Mordor gefällt mir auf der späteren Live-Platte „Ready for Boarding“ noch deutlich besser.

Das okkulte Gepolter dieser Running-Wild-Frühphase hat trotzdem nicht ohne Grund seine Anhänger, auch wenn in Sachen Songwriting und Finesse an den Instrumenten sicher noch Luft nach oben war.

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Stormwitch – War Of The Wizards

(Album, 1992)

Zum Schluss noch etwas Kitsch! Die süddeutschen STORMWITCH haben bereits Ende der Siebziger Musik gemacht und ihre Karriere mit rohem Heavy Metal begonnen. Im Laufe der Zeit legte man Ketten und Nieten ab und wählte einen weicheren Stil.

Als Heavy Metal geht das ’92er Konzeptalbum „War of the Wizards“ trotzdem durch. Es wird Tolkiens Herr der Ringe aufgegriffen und vertont, was zu der Zeit wohl noch halbwegs kreativ war. Leider muss die englische Sprache dann und wann ziemlich verbogen werden, damit der Reim passt – aber das tun wir mal als besonderen Charme ab. Das Ganze klingt wie gesagt eher soft und erinnert grob an ganz frühe HAMMERFALL oder auch an HELLOWEEN während der „Keeper …“-Ära.

Schade, dass der Auftritt auf dem diesjährigen Headbangers Open Air abgesagt wurde, STORMWITCH hätte ich mir gern angesehen!

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