Olso in vier Stunden: Minikreufahrt mit der Colorline

Täg­lich bietet die Color­line–Ree­de­rei eine Fahrt von Kiel nach Oslo an. Seit drei Jahren lebe ich inzwi­schen in Kiel und habe noch nie einen Fuß auf eine der beiden Fähren (oder im Color­line-Sprech: Kreuz­fahrt­schiff mit Auto­deck“ – durch­aus zutref­fend) gesetzt. Höchste Zeit also! Ganz pas­send dazu stand mein Geburts­tag an und so sorgte @Spitzbuebin nicht nur für eine extrem kul­tige Geburts­tags­torte son­dern auch für das pas­sende Geschenk: Die Mini­k­reu­fahrt“.

Geburts­tags­torte, von @Spitzbuebin geschmie­det. 

Die Mini­k­reuz­fahrt ist schon für klei­nes Geld zu haben und hat gut in unse­ren gefüll­ten Kalen­der gepasst. Mit einem der beiden zwi­schen Oslo und Kiel pen­deln­den Schif­fen geht’s um 14:00 Uhr los in Rich­tung Nor­we­gens Haupt­stadt. Dort wird um 10:00 Uhr des Fol­ge­tags ange­legt und vier Stun­den später wird die Rück­fahrt ange­tre­ten.

Die meis­ten Pas­sa­giere blei­ben länger, für uns ergab sich immer­hin ein knap­pes Zeit­fens­ter, um Oslo zu erfor­schen. Außer­dem nett: Ostsee und Color Fan­tasy“ bieten eini­ges, um die Zeit an Bord zu ver­trei­ben und beim güns­ti­gen Preis ab rund 100€ pro Person für ein Dop­pel­zim­mer (exklu­sive Ver­pfle­gung) kann man auch nicht meckern. Zweif­ler mögen den Preis mit einer Bahn­fahrt über 1200 km ver­glei­chen (aber lieber nicht die CO2–Emis­sion). Ich berichte ein­fach mal ein biss­chen.

Das Schiff selbst bietet alles was auch ein Hotel zu bieten hat, oben drauf kommen jedoch noch Duty-Free-Shops (preis­lich eher für Nor­we­ger inter­es­sant; für uns in etwa ver­gleich­bar mit dem Späti um die Ecke), Casino, Bars und Restau­rants. In Anbe­tracht des bom­ben­mä­ßi­gen Wet­ters haben wir den Abend bis zum Son­nen­un­ter­gang jedoch ein­fach an Deck ver­bracht, das gegen Abend fast kom­plett leer war.

Der Morgen star­tete am üppi­gen Früh­stücks­büf­fet, das alles zu bieten hat, was man sich wünscht. Nach­dem ich also mein Geburts­ge­wicht in Rührei und Bröt­chen mit Bru­nost geges­sen hatte ging’s wieder an Deck: Die Color Fan­tasy war bereits ein ganzes Stück in den Oslof­jord hin­ein­ge­fah­ren und lang­sam wurde es schwie­rig, noch einen guten Platz zum Sehen und Stau­nen an der Reling zu ergat­tern.

Foto, Blick von der Colorline auf den Oslofjord
Blick von der Color Fan­tasy über den Oslof­jord.

Die Ankunft in Olso war dann weni­ger auf­re­gend. Wäh­rend der Damp­fer anlegte, wurde in der schiffs­ei­ge­nen Ein­kaufs­meile auf großer Lein­wand ein Clip über die wich­tigs­ten Sehens­wür­dig­kei­ten Oslos gezeigt – ich hatte meinen per­sön­li­chen Guide aber bereits dabei. Die Innen­stadt ist vom Ter­mi­nal aus in rund 15 Minu­ten zu Fuß erreich­bar, unser erster Halt war die Resi­denz des Königs: Recht beein­dru­cken­der Bau, umge­ben von einer groß­flä­chen Park­an­lage, die erfreu­li­cher­weise auch als gern genutzte Liege- und Spiel­wiese für Anwoh­ner und Kin­der­gär­ten dient.

Foto vom königlichen Schloss in Oslo
Das könig­li­che Schloss von Oslo.

Von hier kann man der Karl-Johans-Straße folgen, die von his­to­ri­schen Gebäu­den, Skulp­tu­ren und Klein­künst­lern gesäumt ist. Das nor­we­gi­sche Par­la­ments­ge­bäude, das Natio­nal­thea­ter, die his­to­ri­sche Feu­er­wa­che und wei­tere Kul­tur­denk­mä­ler sind hier einen Blick wert. 

Unser Ziel lag jedoch etwas außer­halb des Zen­trums: Das Hel­vete war in den Neun­zi­gern eine Art Keim­zelle des nor­we­gi­schen Black Metals: Eurony­mus (MAYHEM) betrieb hier für kurze Zeit einen Plat­ten­schup­pen und schuf damit einen zen­tra­len Treff­punkt des loka­len Under­grounds, dessen Keller zeit­weise sogar als Woh­nung für Varg Viker­nes (BURZUM) und Tomas Samoth“ Haugen (EMPEROR) her­hielt.

Der Laden über­lebte nicht beson­ders lang, doch fast zwei Jahr­zehnte später gibt es im geschichts­träch­ti­gen Laden­lo­kal wieder einen Plat­ten­la­den: Nese­b­lod Records. Früher war der große Ver­kaufs­raum samt Keller wohl schlicht zu unwirt­schaft­lich. Heute ist wirk­lich jeder noch so kleine Winkel voll­ge­stellt mit gebrauch­ten LPs, CDs, Tapes, Shirts, Patches und jeder Menge ande­rem Kram. Unver­käuf­li­che Rari­tä­ten hängen an den Wänden, die Ton­trä­ger sind bes­tens sor­tiert und decken sämt­li­che Sub­gen­res von Metal und Punk ab. Wer etwa den Dort­mun­der Idiots Records kennt, dessen Ver­kaufs­flä­che gedank­lich ver­dop­pelt und sich einen Haufen geilen Samm­ler­scheiß dazu­denkt, kriegt eine unge­fähre Vor­stel­lung davon, wie viele tau­send Kronen man hier auf den Tisch legen will.

Groß­ar­tig auch: Das Kel­ler­ge­schoss ist teil­weise in dem Zustand der frühen Neun­zi­ger erhal­ten und kann besich­tigt werden. Das aus­lie­gende Gäs­te­buch ist gut gefüllt mit Unter­schrif­ten aus aller Herren Länder. Der Laden kommt einem Pil­ger­ort gleich. Nur irgend­wie, äh, unchrist­li­cher.

Obacht: Vor lauter Stau­nen ver­gisst man schon mal die Zeit und so war der Rück­weg zum Schiff ungleich stres­si­ger. Ein Pro­blem scheint Nor­we­gen näm­lich genau so zu beschäf­ti­gen wie Deutsch­land: Inves­ti­ti­ons­staus. Weite Teile der Alt­stadt glei­chen einer ein­zi­gen Groß­bau­stelle und so haben wir uns bei der Zeit für den Weg zum Anlie­ger erheb­lich ver­schätzt.

Einen inten­si­ven Sprint später hatten aber auch wir uns wieder in der Kabine ein­ge­fun­den. Der Rest des Nach­mit­tags wurde wieder auf Deck ver­bracht und zu Abend gab es lecker Happa beim Ita­lie­ner. Den Son­nen­un­ter­gang woll­ten wir uns erneut nicht ent­ge­hen lassen und so ver­brach­ten wir den Abend in einer wind­ge­schütz­ten Ecke auf Deck, anstatt in den gut besuch­ten Bars rum­zu­hän­gen.

StenaLine im Oslofjord
Noch einmal den Blick vom Deck genie­ßen: Color­line trifft Stena­Line..

Viel mehr zu erzäh­len gibt es eigent­lich nicht. Die Ein­fahrt nach Kiel ist natür­lich nicht ganz so span­nend und sicher hätte man noch einige Tage in Oslo ver­brin­gen können. Die Fahrt auf der Color Fan­tasy, war eine coole Erfah­rung, auch wenn wir große Teile des Unter­hal­tungs­an­ge­bots an Bord wegen des meist groß­ar­ti­gen Wet­ters gar nicht in Anspruch genom­men haben. Das war sicher nicht die letzte Fahrt für uns und schon gar nicht der letzte Besuch in der Haupt­stadt Nor­we­gens.

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