Online-Nachrichtenkonsum zurück erobern, Teil 2/2: TinyTinyRSS

In Teil 1 dieses Arti­kels habe ich die Vor­züge eines selbst gehos­te­ten RSS-Fee­dre­a­ders erläu­tert – kurz zusam­men­ge­fasst: Unab­hän­gig­keit von kom­mer­zi­el­len Anbie­tern und Syn­chro­ni­sa­tion über alle End­ge­räte (PC, Smartphone/​Tablet).

Ein Klas­si­ker unter den selbst­ge­hos­te­ten Fee­dre­a­dern heißt Tiny­Ti­nyRSS (auch: tt-rss). Das Pro­gramm ist ein­fach auf­zu­set­zen und ziem­lich pfle­ge­leicht – dieser Arti­kel umreißt die Instal­la­tion und gibt ein paar Tipps zur Erstein­rich­tung.

Tiny­Ti­nyRSS instal­lie­ren und ein­rich­ten

Tiny­Ti­nyRSS setzt einen Server mit PHP und wahl­weise Post­greSQL oder MySQL voraus. Es wird ein (vir­tu­el­ler) dedi­zier­ter Server emp­foh­len, aber Tiny­Ti­nyRSS scheint mit mini­ma­len Ein­schrän­kun­gen auch auf shared Web­hos­ting-Lösun­gen gut zu laufen.

Die Instal­la­tion läuft denk­bar ein­fach: Ein­fach das Git-Repo­si­to­rium her­un­ter­la­den, auf dem Server able­gen und schließ­lich im Brow­ser den Pfad zum Instal­la­ti­ons­ver­zeich­nis auf­ru­fen (https://www.meinserver.example/tt-rss/install). Es öffnet sich ein intui­tiv zu benut­zen­der Dialog; ledig­lich die Zugangs­da­ten zur Daten­bank sollte man parat haben.

Anschlie­ßend kann man sich erst­mals mit dem Benut­zer­na­men admin und Pass­word password ein­log­gen. Die Zugangs­da­ten sind prima zu merken, können also direkt bei­be­hal­ten werden Als erstes wird man auf­ge­for­dert, die Zugangs­da­ten zu ändern. Es emp­fiehlt sich sicher­lich auch, einen neuen Account anzu­le­gen, der nicht über Admin-Rechte ver­fügt. Dieser wird dann zukünf­tig für den täg­li­chen Lese­ge­nuss ver­wen­det und kann keinen allzu großen Scha­den anrich­ten, falls das Pass­wort irgend­wie in die fal­schen Hände gelangt.

Wich­tig ist noch die Wahl des gewünsch­ten Update-Mecha­nis­mus: Tiny­Ti­nyRSS kann per Daemon oder Cron-Job regel­mä­ßig die abon­nier­ten Feeds aktua­li­sie­ren, d.h. nach neuen Nach­rich­ten schauen. Wer Tiny­Ti­nyRSS bei einem gewöhn­li­chen Web­hos­ter ein­setzt, kann auf eine pri­mi­ti­vere Vari­ante zurück­grei­fen: Dabei werden die Feeds immer dann aktua­li­siert, wenn sich ein User ein­loggt bzw. die Android-App öffnet. Diese Methode ist etwas lang­sam, d.h. es dauert schon mal einige Sekun­den, bis neue unge­le­sene Nach­rich­ten in der Über­sicht funk­tio­niert – dafür funk­tio­niert sie prak­tisch immer.

Um diesen Simple Update“ genann­ten Modus zu akti­vie­ren, muss in der Datei tt-rss/config.php die Zeile define('SIMPLE_UPDATE_MODE', false); gesucht und durch define('SIMPLE_UPDATE_MODE', true); ersetzt werden.

Pimp my Fee­dre­a­der: Themes und Plug­ins

Tiny­Ti­nyRSS sieht nach der Instal­la­tion zuge­ge­be­ner­ma­ßen etwas alt­ba­cken aus. Abhilfe schaf­fen Themes, die jeweils aus einer oder meh­re­ren CSS-Dateien und einem Ordner bestehen. CSS-Files und Theme-Ordner werden direkt im Ver­zeich­nis tt-rss/themes abge­legt und können dann im Ein­stel­lungs­dia­log aus­ge­wählt werden.

Ebenso stehen einige Plug­ins zur Ver­fü­gung, um etwaig feh­lende Grund­funk­tio­nen nach­zu­rüs­ten. Damit habe ich mich aller­dings bisher nicht befasst.

Mit vor­ge­fer­ti­gen Themes lässt sich das Aus­se­hen von tt-rss indi­vi­dua­li­sie­ren. Dabei stehen auch Ober­flä­chen zur Ver­fü­gung, die sich in sehr ähn­li­cher Form bereits bei popu­lä­ren Feed-Dienst­leis­tern bewährt haben.

Android-App

Nett fürs Nach­rich­ten­le­sen unter­wegs ist natür­lich eine Smart­phone-App. Die offi­zi­elle Tiny­Ti­nyRSS-App kann via Google Play zunächst kos­ten­los getes­tet und bei Gefal­len für unge­fähr vier Euro gekauft werden. Alter­na­tiv bietet sich ein kos­ten­lo­ser Fork an, der über F-Droid instal­liert werden kann.

Noch beque­mer abon­nie­ren

Wer mit einem Brow­ser aus der Chrome–Fami­lie durchs Netz klickt, könnte sich für das RSS-Abon­ne­ment-Addon inter­es­sie­ren. Wenn eine Web­seite einen Feed anbie­tet, erscheint ein ent­spre­chen­des Symbol in der Adress­leiste, um diesen zu abon­nie­ren.

Im nächs­ten Schritt muss nur noch die URL der Tiny­Ti­nyRSS-Instal­la­tion nach diesem Schema im Addon hin­ter­legt werden: https://meinserver.example/tt-rss/public.php?op=subscribe&feed_url=%s, dann werden nur noch zwei Maus­klicks benö­tigt, um ein neues RSS-Abo zu ergän­zen:

Bildschirmfoto: Per Mausklick können Feeds abonniert werden, sofern die entsprechende Seite einen anbietet.

Online-Fee­dre­a­der: Alter­na­ti­ven

Natür­lich ist Tiny­Ti­nyRSS nicht die ein­zige Option für selbst­ge­hos­tete Feed-Reader. Recht popu­lär sind bei­spiels­weise noch FreshRSS oder sel­foss, welche in Sachen Anfor­de­run­gen und Instal­la­ti­ons­auf­wand her in etwa mit Tiny­Ti­nyRSS ver­gleich­bar sind – es han­delt sich um PHP-Anwen­dun­gen, welche im Hin­ter­grund auf eine SQL-Daten­bank zurück­grei­fen. Einen etwas ande­ren Weg geht Minif­lux, wel­ches in Go geschrie­ben ist und damit nicht so ohne Wei­te­res auf einem Web­hos­ting-Ser­vice betrie­ben werden kann.

Ich habe neben Tiny­Ti­nyRSS bisher nur FreshRSS getes­tet und keine allzu signi­fi­kan­ten Unter­schiede in der Benut­zung fest­ge­stellt. Je nach dem, welche Soft­ware sich in meiner täg­li­chen Benut­zung durch­setzt, gibt es also viel­leicht noch einen wei­te­ren Arti­kel in dieser Reihe.