Online-Nachrichtenkonsum zurück erobern, Teil 1/2

Wie kon­su­miert ihr eigent­lich eure Nach­rich­ten im Inter­net? Jede Seite ein­zeln nach inter­es­san­ten Schlag­zei­len abklap­pern? Per News­let­ter frisch vom Nach­rich­ten­er­zeu­ger? Oder per Emp­feh­lung direkt aus der eige­nen Social-Media-Fil­ter­blase?

Bei den meis­ten ist es ver­mut­lich eine Mischung aus all dem und eigent­lich funk­tio­niert es im Alltag ja auch eini­ger­ma­ßen. Trotz­dem hinken alle Ansätze irgend­wie: Wenn ich Tag für Tag alle Por­tale und Web­logs abklap­pere, die mir gefal­len, bleibt mir kaum Zeit zum Essen, Schla­fen oder Geld­ver­die­nen übrig – zumal viele span­nende Ange­bote nur alle paar Tage neue Inhalte brin­gen und der täg­li­che Besuch dadurch ziem­lich unnütz ist. News­let­ter drän­gen sich in den letz­ten Jahren als schein­bar neue Alter­na­tive auf, dabei waren News­let­ter schon in den Neun­zi­gern ziem­li­cher Mist. Das haben die Inter­net­frit­zen auch gar nicht ver­ges­sen und des­halb ver­su­chen sie, uns ihre News­let­ter gern mit ziem­lich däm­li­chen Rabatt­ak­tio­nen und vor allem Pop-Ups schmack­haft zu machen – dabei waren auch Pop-Ups schon in den 90ern schon ziem­li­cher Mist.

Bleibt die Sache mit den sozia­len Medien: Ein­fach alle inter­es­san­ten Kanäle abon­nie­ren (sofern auf der prä­fe­rier­ten Platt­form ver­füg­bar) und warten, bis Links in der Timeline/​Chronik/​Whatever landen. Muss man nur noch zur rich­ti­gen Zeit in die rich­tige App rein­schauen und mit etwas Glück, landet ein inter­es­san­ter Arti­kel genau im Blick­feld – irgend­wie auch nicht das Wahre.

Man könnte also resi­gniert zu dem Schluss kommen, dass das Inter­net irgend­wie kaputt ist und wieder anfan­gen, Zei­tun­gen zu abon­nie­ren. Okay, ganz so schlimm ist es noch nicht, denn es gibt da eine Tech­nik die fast so alt ist, wie News­let­ter und Pop-Ups: Der News-Feed, geht immer­hin auf 1995 zurück und wurde 1999 erst­mals so imple­men­tiert, wie man ihn heute kennt.

Klar, ich erzähle hier nichts Neues. Feeds, ob nun Atom oder RSS, kennt eigent­lich jeder – benutzt nur irgend­wie keiner mehr. Warum eigent­lich? Als 2013 der bis dahin beliebte Google Reader recht plötz­lich ein­ge­stellt wurde, konnte man immer­hin zwi­schen eini­gen Alter­na­ti­ven wählen – aber nach dem man gese­hen hat, wie von heute auf morgen ein eta­blier­ter Ser­vice vom Netz genom­men wurde, woll­ten wohl viele ihre Feed-Listen nicht gleich beim nächs­ten Anbie­ter neu anle­gen und darauf hoffen, dass es dort besser läuft.

Aber auch an der Brow­ser-Front hat sich was getan: Der Abo-Button im Fire­fox ver­schwand bereits 2011 und war nur noch als Opt-In zuschalt­bar. Logi­sche Kon­se­quenz ein paar Jahre später: Die Feed-Funk­tion fliegt ganz raus, benutzt schließ­lich keiner – warum das wohl so ist?? Bei Chrome sieht’s nicht viel besser aus: Auch dort sind Feed-Funk­tio­nen nur per Add-On nach­rüst­bar.

Für sich genom­men sind all das keine Gründe, die den schlei­chen­den Tod des News-Feed erklä­ren, denn tech­ni­sche Gegen­maß­nah­men lassen sich in jedem Fall ergrei­fen. Den­noch war jede dieser Hürden ein wei­te­rer Sarg­na­gel. Ein Kom­men­tar auf Heise hat dieses Grund­pro­blem der News-Feeds zuletzt gut auf den Punkt gebracht:

Der Tod von RSS ist wohl unaus­weich­lich. Ähn­lich wie PGP ist RSS ein Tool von Nerds für Nerds. Das Pro­to­koll erfüllt seine Auf­gabe her­vor­ra­gend, aller­dings ist es nicht für den All­tags­ge­brauch nor­ma­ler Men­schen kon­zi­piert.

Klingt nicht beson­ders ermu­ti­gend, aber den­noch: Prak­tisch alle ernst­zu­neh­men Nach­rich­ten­sei­ten und Web­logs bieten immer noch Feeds an und es spricht eini­ges dafür, ein­ge­mot­tete Fee­dre­a­der ent­we­der mal wieder anzu­wer­fen oder neue Soft­ware ein­zu­rich­ten. Immer­hin ist es unglaub­lich kom­for­ta­bel, alle favo­ri­sier­ten Nach­rich­ten­por­tale und Blogs auf einem Blick nach Neu­ig­kei­ten abzu­gra­sen. Zum ande­ren ent­zieht man sich u.U. Tra­ckern und unnö­ti­ger Wer­bung, ganz zu schwei­gen vom Spam-Poten­tial, das News­let­ter auch in DSGVO-Zeiten immer noch mit sich brin­gen.

Ein­zige Ein­schrän­kung: Kaum jemand nutzt heute noch ein ein­zi­ges Gerät, um online zu gehen. Das bringt die Anfor­de­rung mit sich, dass eine moderne Fee­dre­a­der-Lösung idea­ler­weise zen­tral läuft und sich selbst merkt, welche Arti­kel bereits gele­sen oder sogar favo­ri­siert worden sind. Momen­tan scheint Feedly für viele das Mittel der Wahl zu sein. Wie das Ende des Google Rea­ders aber bei­spiel­haft gezeigt hat, ist es keine beson­ders gute Idee, sich dem Willen eines kom­mer­zi­el­len Anbie­ters zu unter­wer­fen.

Der Ausweg ist eine selbst gehos­tete Lösung – damit hat man selbst in der Hand, ob der Dienst jemals abge­schal­tet wird. Und in der Tat gibt es pfle­ge­leichte Pro­gramme, die sich mit wenig Auf­wand instal­lie­ren und mit Feeds füt­tern lassen (pun inten­ded). So sollte dieser läng­lich gera­tene Arti­kel eigent­lich nur eine Ein­lei­tung für die Instal­la­tion von Tiny Tiny RSS werden – aber diesen Aspekt ver­lege ich nun doch lieber in einen eige­nen Arti­kel.

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~andwil

Geek aus Kiel. Beruflich in der Industrie zu Hause, tobt sich hier aber vor allem über Linux, den Open-Source-Kosmos und Heavy Metal aus.