Kurztrip nach Sardinien

Anfang Okto­ber, ein paar Tage frei – was liegt da näher, als ein paar Kilo­me­ter süd­wärts vor dem nahen­den Herbst zu flie­hen? Eigent­lich habe ich mir abge­wöhnt, hier groß­ar­tig pri­va­ten Inhalt zu ver­öf­fent­li­chen, aber ich möchte das Geo­cachen und Wan­dern hier mal wieder etwas mehr in den Fokus rücken und darum gibt’s heute eine Aus­nahme. Wir (das sind Hannah und ich) hatten uns vor­ge­nom­men, Sar­di­nien ein wenig zu erkun­den.

Los ging’s per Bil­lig­flug. Ange­kom­men in der Haupt­stadt Cagli­ari, welche im Süden der Insel liegt, wurde nur schnell der Miet­wa­gen abge­holt, um dann zunächst ganz in der Nähe zu näch­ti­gen. Der Gast­ge­ber des klei­nen Bed & Bre­ak­fasts sprach zwar kein Wort eng­lisch, war aber sicht­lich um unser Wohl bemüht und ver­wöhnte uns direkt mit einem kühlen Bier und am nächs­ten Tag mit einem erst­klas­si­gem Früh­stück. Extrem hilf­reich war übri­gens die Dialog-Funk­tion des Google Trans­la­tors, die beiden Gesprächs­part­nern erlaubt, in ihrer jewei­li­gen Mut­ter­spra­che zu spre­chen – noch nicht ganz so aus­ge­feilt wie der Babel­fisch, aber immer­hin.

Der nächste Morgen begann mit reich­lich Regen und so bra­chen wir ganz ent­spannt auf, da es hieß, dass sich die Regen­wol­ken recht hart­nä­ckig in den Bergen des Ostens der Insel halten. Übri­gens sei an dieser Stelle erwähnt, dass alle Kli­schees über das Fahr­ver­hal­ten der Ita­lie­ner wahr sind: Zebra­strei­fen und vor allem Geschwin­dig­keits­be­gren­zun­gen haben kei­ner­lei Bedeu­tung (außer es wird per Schild auf elek­tro­ni­sche Geschwind­keits­mes­sun­gen hin­ge­wie­sen) und vor jedem Über­hol­vor­gang wird zunächst bis auf einen Meter her­an­ge­fah­ren. Aber wir sind schließ­lich doch über­all unbe­scha­det ange­kom­men, auch wenn die Voll­kas­ko­ver­si­che­rung für den Fall der Fälle sicher nicht unan­ge­bracht ist.

Nett sind die vielen Ver­tei­di­gungs­türme, die nahezu die kom­plette Küste Sar­di­ni­ens säumen und immer wieder dazu ein­la­den, die Straße für eine Weile zu ver­las­sen. An diesen Türmen liegt auch gerne mal der eine oder andere Geo­cache, von denen es auf Sar­di­nien leider nur recht wenige gibt. Dafür haben sich bis­lang wohl doch zu wenig Deut­sche auf der Insel nie­der­ge­las­sen, wenn man die Aus­wahl ver­steck­ter Dosen etwa auf der Nach­bar­in­sel Kor­sika (oder gar Mal­lorca) zum Ver­gleich her­an­zieht.

Unsere Home­base war dann Santa Maria Navaresse, wel­ches direkt an der Ost­küste Sar­di­nien liegt und gleich­zei­tig mit ber­gi­ger Land­schaft bei Wan­de­rern punk­tet. Der Ort war leider prop­pe­voll mit – über­wie­gend deut­schen – Tou­ris­ten, da an dem Wochen­ende gerade ein großer Trail­run statt­fand.

Unsere Bleibe war auch hier eine kleine AirBnB-Woh­nung mit Ter­asse und Blick aufs Mit­tel­meer. Viel besser geht’s nicht!

Wan­dern! 💪

Wie das Wört­chen Kurz­trip“ schon andeu­tet, blieb für große Tages­aus­flüge nur wenig Zeit. Zwei schöne Routen seien hier aber trotz­dem im Detail beschrie­ben, die ich ohne wei­te­res jedem ande­ren Besu­cher der Insel wei­ter­emp­feh­len würde – robus­tes Schuh­werk und Sonnen- und Mücken­schutz vor­aus­ge­setzt.

Cala Golo­ritzè

Zu einem Aus­flug in unmit­tel­ba­rer Umge­bung lädt unter ande­rem die Cala Golo­ritzè ein – eine Bucht mit Post­kar­ten­qua­li­tät, die nur zu Fuß oder zu Wasser erreich­bar ist.

Der Abstieg beginnt auf einem kos­ten­pflich­ti­gen Park­platz, der ziem­lich abge­le­gen auf der Hoch­ebene Su Golgo liegt. Von dort geht’s etwa andert­halb Stun­den auf ver­schie­de­nem Unter­grund von leh­mi­gem Boden bis locke­rem Schot­ter abwärts bis ans Meer. 

Unter­wegs zeigt sich die Natur auch im Okto­ber noch in ihrer ganzen Schön­heit: Reife Früchte gedei­hen auf Erd­beer­bäu­men und Kak­teen, viele Pflan­zen blühen, Echsen wärmen sich auf den Felsen und immer wieder offen­bart sich ein groß­ar­ti­ger Blick aufs Meer. 

Die Route ist natür­lich kein Geheim­tipp und beson­ders am Wochen­ende gut besucht. Das tut der Schön­heit keinen Abbruch, selbst Müll liegt prak­tisch nir­gends herum. Wer unge­stört ins küh­lende Meer sprin­gen will, sollte sich aber zu unbe­lieb­te­ren Zeiten auf den Weg machen.

Wer noch Zeit hat, kann auf der Hoch­ebene übri­gens noch wei­tere Sehens­wür­dig­kei­ten wie den Gigante Nura­gico bestau­nen.

Wan­de­rung zur Cala Golo­ritzè: 3,6 km, die es durch­aus in sich haben. Pro Hin- und Rück­weg auf­tei­len wollen gut 500 Meter Höhen­un­ter­schied bewäl­tigt werden. Bei Regen wird’s schnell glit­schig, aber wer wohl­be­hal­ten zurück auf dem Pla­teau ankommt, kann seine Kraft­re­ser­ven im Gast­haus wieder auf­fül­len.

Pedra Longa

Eben­falls einen Besuch wert ist die Pedra Longa, eine Fels­for­ma­tion die direkt am Meer liegt. Von Santa Maria Navaresse bietet sich laut Rei­se­füh­rer ein Abste­cher auf die höchste Erhe­bung der unmit­tel­ba­ren Umge­bung an, der Monte Oro (669 m). Open­Street­Map zeigt sogar einen Weg direkt bis ans Gip­fel­kreuz an – aller­dings scheint dieser so nicht mehr zu exis­tie­ren. Der steile Auf­stieg der letz­ten Höhen­me­ter auf losem Geröll ist jeden­falls für Gele­gen­heits­wan­de­rer wie uns dann noch eine Spur zu ris­kant gewe­sen.

Zur Rast bei Eis und/​oder kühlem Bier lädt das Gast­haus Uttolo ein. Loh­nens­wert soll auch das Restau­rant direkt an der Pedra Longa sein. Um aller­dings noch bei Tages­licht wieder in unse­rer Unter­kunft anzu­kom­men, haben wir Steak und Wein vor­erst links liegen gelas­sen. Eine gute Idee, wie sich später her­aus­stellte, da der Weg­ver­lauf zurück nach Santa Maria Navaresse wohl vor nicht allzu langer Zeit etwas ver­än­dert wurde und damit recht deut­lich von unse­rer OSM-basier­ten Frei­zeit­karte abwich und mit vollem Magen sicher nicht der bequemste ist.

Nett aller­dings ist, dass man auf dieser Route weit­aus weni­ger Tou­ris­ten begeg­net und immer wieder hüb­sche Blüten, reife Früchte, duf­ten­der Wachol­der, rie­sige Schmet­ter­linge und put­zi­ges frei­lau­fen­des Vieh den Weg säumen. Ganz zu schwei­gen natür­lich vom wun­der­vol­len Blick aufs Meer, der sich immer wieder aus ande­ren Blick­win­keln ergibt.

Wan­de­rung zur Pedra Longa: 14 km, etwa 560 m Auf­stieg und eine schöne Mischung aus gut befes­tig­ten Wegen und Single Trails. Mit meh­re­ren Mög­lich­kei­ten zur Ein­kehr ideal für eine Tages­tour.

Und sonst?

Zuge­ge­ben, schon allein in kuli­na­ri­scher Hin­sicht ist Sar­di­nien eine Reise wert. In den Super­märk­ten gibt es reich­lich regio­nale Pro­dukte, so dass etwa Wein, Käse und Wurst prak­tisch aus­schließ­lich direkt von der Insel stam­men. Als typisch deut­scher Touri sehnt man sich natür­lich ab und zu nach geschei­ten Bröt­chen zum Früh­stück und die Restau­rant­öff­nungs­zei­ten ab 19:30 Uhr sind auch unge­wohnt, aber nicht weiter der Rede wert.

Noch’n Tipp: Bevor man eine der köst­li­chen Kak­tus­fei­gen pfückt, lieber mal genau nach­le­sen, wie das am besten funk­tio­niert. Die lecke­ren Früchte haben näm­lich nicht nur die gut sicht­bare, son­dern noch eine ganze Menge prak­tisch unsicht­ba­rer Sta­chel. Die tun nicht wahn­sin­nig weh, aber man ist noch tage­lang damit beschäf­tigt, sich die Mist­din­ger über­all aus der Haut zu ziehen.

Fazit

Sar­di­nien ist auf jeden Fall eine Reise wert. Wir haben uns den Osten ange­se­hen, der mit einer ziem­lich ein­ma­li­gen Kom­bi­na­tion aus Meer und Bergen besticht. Neben Son­nen­creme sollte man Autan oder was ver­gleich­ba­res gegen Mücken­sti­che mit­neh­men. Der Google Trans­la­tor hat sich als effek­ti­ves Werk­zeug bei Sprach­bar­rie­ren erwie­sen, ansons­ten scha­den ein paar Duo­lingo-Basics sicher nicht. Mit Eng­lisch kommt man dage­gen nicht beson­ders weit.

Wie beschrie­ben gibt es nur wenige Geo­caches, aber man kommt bei der Schön­heit der Natur auch so aus dem Stau­nen kaum raus. Lang­wei­lig wird’s also nicht!

Navi­giert haben wir im Miet­wa­gen mit Google Maps, was gut geklappt hat, auch wenn der ita­lie­ni­sche Auto­ver­kehr durch­aus Nerven kostet und das Geld in eine Voll­kas­ko­ver­si­che­rung daher gut inves­tiert ist. Auf Wan­de­run­gen sind wir mit Open­Street­Map gut klar­ge­kom­men und ich habe bereits kor­ri­giert was uns unter­wegs an etwai­gen Unzu­läng­lich auf­ge­fal­len ist.

Wie so oft sind pri­vate Feri­en­woh­nun­gen und Bed and Bre­ak­fasts eine tolle Mög­lich­keit, um Weggeh-Tipps von Ein­hei­mi­schen abzu­grei­fen. Außer­dem ist bei den in allen Fällen sehr herz­li­chen Gast­ge­bern das Geld sicher auf­ge­ho­ben als bei jeder belie­bi­gen Hotel­kette. Das­selbe gilt auch für kleine Restau­rants und Piz­ze­rien von denen wir immer begeis­tert waren.

Wir haben uns auf jeden Fall vor­ge­nom­men, wie­der­zu­kom­men. Dann aller­dings gerne für ein paar Tage mehr!

Wei­ter­le­sen