Kurztrip nach Sardinien

Winterflucht ans Mittelmeer

26. Oktober 2018 | #urlaub #reisebericht #sardinien #italien #geocaching #openstreetmap #gps

Anfang Oktober, ein paar Tage frei – was liegt da näher, als ein paar Kilometer südwärts vor dem nahenden Herbst zu fliehen? Eigentlich habe ich mir abgewöhnt, hier großartig privaten Inhalt zu veröffentlichen, aber ich möchte das Geocachen und Wandern hier mal wieder etwas mehr in den Fokus rücken und darum gibt's heute eine Ausnahme. Wir (das sind Hannah und ich) hatten uns vorgenommen, Sardinien ein wenig zu erkunden.

Los ging's per Billigflug. Angekommen in der Hauptstadt Cagliari, welche im Süden der Insel liegt, wurde nur schnell der Mietwagen abgeholt, um dann zunächst ganz in der Nähe zu nächtigen. Der Gastgeber des kleinen Bed & Breakfasts sprach zwar kein Wort englisch, war aber sichtlich um unser Wohl bemüht und verwöhnte uns direkt mit einem kühlen Bier und am nächsten Tag mit einem erstklassigem Frühstück. Extrem hilfreich war übrigens die Dialog-Funktion des Google Translators, die beiden Gesprächspartnern erlaubt, in ihrer jeweiligen Muttersprache zu sprechen – noch nicht ganz so ausgefeilt wie der Babelfisch, aber immerhin.

Der nächste Morgen begann mit reichlich Regen und so brachen wir ganz entspannt auf, da es hieß, dass sich die Regenwolken recht hartnäckig in den Bergen des Ostens der Insel halten. Übrigens sei an dieser Stelle erwähnt, dass alle Klischees über das Fahrverhalten der Italiener wahr sind: Zebrastreifen und vor allem Geschwindigkeitsbegrenzungen haben keinerlei Bedeutung (außer es wird per Schild auf elektronische Geschwindkeitsmessungen hingewiesen) und vor jedem Überholvorgang wird zunächst bis auf einen Meter herangefahren. Aber wir sind schließlich doch überall unbeschadet angekommen, auch wenn die Vollkaskoversicherung für den Fall der Fälle sicher nicht unangebracht ist.

Blick auf die Alpen Zahlreiche Verteidigungstürme säumen die Küste

Nett sind die vielen Verteidigungstürme, die nahezu die komplette Küste Sardiniens säumen und immer wieder dazu einladen, die Straße für eine Weile zu verlassen. An diesen Türmen liegt auch gerne mal der eine oder andere Geocache, von denen es auf Sardinien leider nur recht wenige gibt. Dafür haben sich bislang wohl doch zu wenig Deutsche auf der Insel niedergelassen, wenn man die Auswahl versteckter Dosen etwa auf der Nachbarinsel Korsika (oder gar Mallorca) zum Vergleich heranzieht.

Unsere Homebase war dann Santa Maria Navaresse, welches direkt an der Ostküste Sardinien liegt und gleichzeitig mit bergiger Landschaft bei Wanderern punktet. Der Ort war leider proppevoll mit – überwiegend deutschen – Touristen, da an dem Wochenende gerade ein großer Trailrun stattfand.

Unsere Bleibe war auch hier eine kleine AirBnB-Wohnung mit Terasse und Blick aufs Mittelmeer. Viel besser geht's nicht!

Wandern! 💪

Wie das Wörtchen „Kurztrip“ schon andeutet, blieb für große Tagesausflüge nur wenig Zeit. Zwei schöne Routen seien hier aber trotzdem kurz beschrieben, die ich ohne weiteres jedem anderen Besucher der Insel weiterempfehlen würde – robustes Schuhwerk und Sonnen- und Mückenschutz vorausgesetzt.

Cala Goloritzè

Zu einem Ausflug in unmittelbarer Umgebung lädt unter anderem die Cala Goloritzè ein – eine Bucht mit Postkartenqualität, die nur zu Fuß oder zu Wasser erreichbar ist.

Der Abstieg beginnt auf einem kostenpflichtigen Parkplatz, der ziemlich abgelegen auf der Hochebene Su Golgo liegt. Von dort geht's etwa anderthalb Stunden auf verschiedenem Untergrund von lehmigem Boden bis lockerem Schotter abwärts bis ans Meer.

Steter Blick aufs Mittelmeer: der Weg zur Cala Goloritzè

Unterwegs zeigt sich die Natur auch im Oktober noch in ihrer ganzen Schönheit: Reife Früchte gedeihen auf Erdbeerbäumen und Kakteen, viele Pflanzen blühen, Echsen wärmen sich auf den Felsen und immer wieder offenbart sich ein großartiger Blick aufs Meer.

Die Route ist natürlich kein Geheimtipp und besonders am Wochenende gut besucht. Das tut der Schönheit keinen Abbruch, selbst Müll liegt praktisch nirgends herum. Wer ungestört ins kühlende Meer springen will, sollte sich aber zu unbeliebteren Zeiten auf den Weg machen.

Wer noch Zeit hat, kann auf der Hochebene übrigens noch weitere Sehenswürdigkeiten wie den Gigante Nuragico bestaunen. Der Hin- und Rückweg beträgt in Summe 3,6 km, die es durchaus in sich haben. Es werden jeweils gut 500 Meter Höhenunterschied bewältigt und bei Regen wird's schnell glitschig. Wer will, mag sich das GPX-Download.

Pedra Longa

Ebenfalls einen Besuch wert ist die Pedra Longa, eine Felsformation die direkt am Meer liegt. Von Santa Maria Navaresse bietet sich laut Reiseführer ein Abstecher auf die höchste Erhebung der unmittelbaren Umgebung an, der Monte Oro (669 m). OpenStreetMap zeigt sogar einen Weg direkt bis ans Gipfelkreuz an – allerdings scheint dieser so nicht mehr zu existieren. Der steile Aufstieg der letzten Höhenmeter auf losem Geröll ist jedenfalls für Gelegenheitswanderer wie uns dann noch eine Spur zu riskant gewesen.

Während des Aufstiegs offenbar sich immer wieder ein Blick aufs wundervolle Binnenland. Ziel der Runde: die lange Petra.

Zur Rast bei Eis und/oder kühlem Bier lädt das Gasthaus Uttolo ein. Lohnenswert soll auch das Restaurant direkt an der Pedra Longa sein. Um allerdings noch bei Tageslicht wieder in unserer Unterkunft anzukommen, haben wir Steak und Wein vorerst links liegen gelassen. Eine gute Idee, wie sich später herausstellte, da der Wegverlauf zurück nach Santa Maria Navaresse wohl vor nicht allzu langer Zeit etwas verändert wurde und damit recht deutlich von unserer OSM-basierten Freizeitkarte abwich und mit vollem Magen sicher nicht der bequemste ist.

Nett allerdings ist, dass man auf dieser Route weitaus weniger Touristen begegnet und immer wieder hübsche Blüten, reife Früchte, duftender Wacholder, riesige Schmetterlinge und putziges freilaufendes Vieh den Weg säumen. Ganz zu schweigen natürlich vom wundervollen Blick aufs Meer, der sich immer wieder aus anderen Blickwinkeln ergibt (GPX-Downlad,  km, 560 m Aufstieg und eine schöne Mischung aus gut befestigten Wegen und Single Trails.).

Und sonst?

Zugegeben, schon allein in kulinarischer Hinsicht ist Sardinien eine Reise wert. In den Supermärkten gibt es reichlich regionale Produkte, so dass etwa Wein, Käse und Wurst praktisch ausschließlich direkt von der Insel stammen. Als typisch deutscher Touri sehnt man sich natürlich ab und zu nach gescheiten Brötchen zum Frühstück und die Restaurantöffnungszeiten ab 19:30 Uhr sind auch ungewohnt, aber nicht weiter der Rede wert.

Noch'n Tipp: Bevor man eine der köstlichen Kaktusfeigen pfückt, lieber mal genau nachlesen, wie das am besten funktioniert. Die leckeren Früchte haben nämlich nicht nur die gut sichtbare, sondern noch eine ganze Menge praktisch unsichtbarer Stachel. Die tun nicht wahnsinnig weh, aber man ist noch tagelang damit beschäftigt, sich die Mistdinger überall aus der Haut zu ziehen.

Fazit

Sardinien ist auf jeden Fall eine Reise wert. Wir haben uns den Osten angesehen, der mit einer ziemlich einmaligen Kombination aus Meer und Bergen besticht. Neben Sonnencreme sollte man Autan oder was vergleichbares gegen Mückenstiche mitnehmen. Der Google Translator hat sich als effektives Werkzeug bei Sprachbarrieren erwiesen, ansonsten schaden ein paar Duolingo-Basics sicher nicht. Mit Englisch kommt man dagegen nicht besonders weit.

Wie beschrieben gibt es nur wenige Geocaches, aber man kommt bei der Schönheit der Natur auch so aus dem Staunen kaum raus. Langweilig wird's also nicht!

Navigiert haben wir im Mietwagen mit Google Maps, was gut geklappt hat, auch wenn der italienische Autoverkehr durchaus Nerven kostet und das Geld in eine Vollkaskoversicherung daher gut investiert ist. Auf Wanderungen sind wir mit OpenStreetMap gut klargekommen und ich habe bereits korrigiert was uns unterwegs an etwaigen Unzulänglich aufgefallen ist.

Wie so oft sind private Ferienwohnungen und Bed and Breakfasts eine tolle Möglichkeit, um Weggeh-Tipps von Einheimischen abzugreifen. Außerdem ist bei den in allen Fällen sehr herzlichen Gastgebern das Geld sicher aufgehoben als bei jeder beliebigen Hotelkette. Dasselbe gilt auch für kleine Restaurants und Pizzerien von denen wir immer begeistert waren.

Wir haben uns auf jeden Fall vorgenommen, wiederzukommen. Dann allerdings gerne für ein paar Tage mehr!

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