„From the Ashes“

Wie schrieb ich noch 2019?

Wir sehen uns 2020 wieder – wenn nichts dazwischen kommt

Ahahahahahah. 😐 Wie es tasächlich kam, ist natürlich hinlänglich bekannt. Aber immerhin, 2021 fand eine Schmalspur­ausgabe statt, mit angepassten Hygiene­konzept und ohne Camping. Den Besuch damals sparte ich mir aufgrund des noch frischen Nachwuchses und auch zugunsten unseres Umzugs ins Eigenheim. Ganz passend gewählt war also der offizielle Slogan für das HOA 2022 – mein erstes HOA seit drei Jahren und immerhin auch ein Jubiläum nach meinem ersten Besuch 2012 vor nunmehr zehn Jahren.

Umso größer war natürlich die Vorfreude, auch wenn (wie schon 2019) wieder eine Hochzeit am HOA-Samstag stattfand und der Festival­besuch dementsprechend verkürzt war. Sei's drum, am Mittwochnachmittag standen wir auf der Matte und waren gierig auf Party und Konzerte.

Einen kleinen Dämpfer verpasste uns allerdings das Camping-Gelände. Organisatorisch mag es sinnvoll sein, die Zeltflächen von hinten nach vorne zu befüllen. Dass die Spät-Anreisenden am Donnerstag aber ein ganzes Stück näher an der Bühne campieren konnten und es hinten bei uns weder Dixies noch Trinkwasser gab, war etwas dünn. Spontan wurden zumindest drei wackelige Scheiß­häuser aufgestellt. Glücklich, wer zumindest sein kleines Geschäft unkompliziert im Grünen und/oder im Stehen erledigen mag.

Noch ne Neuerung: Die Warm-Up-Party am Mittwoch fand nicht außerhalb statt, sondern direkt auf dem HOA-Gelände. Genauer gesagt im Backstage-Bereich, der sich hinter der Bühne befindet (ach was). Interessant ist das deshalb, weil Bühnen- und Backstagebereich 2017 getauscht wurden und sich das Warm Up dementsprechend auf der „alten“ Bühne abspielte. Das Areal wurde seinerzeit zu eng und so sorgten die Mittwochs­auftritte für ein schönes Déjà-vu; zumal nicht wahnsinnig viel los war, weil für die Teilnahme an der Abendkasse zusätzliche 17 Euro fällig waren.

Apropos Preise: die Inflation macht glücklicherweise vorm Headbangers noch halbwegs Halt. Bier (0,3l) gibt's weiterhin für 2,50 Euro plus Pfand. Pommes, Kartoffelspalten und Champingons bewegten sich um jeweils 3,50 Euro, ne Bratwurst im Brötchen kam meine ich drei Tacken. Hier hatte keiner was zu meckern.

2022 durfte der Garten endlich wieder brennen. Fast auf Freibadniveau: die Frittenbude auf dem HOA

Aber Kommen wir zum Wesentlichen: der Musik!

Mittwoch

  • Das Warm-Up begann zwar mit ATTRACTION, wir waren aber erst bei COBRA SPELL am Start. Die NiederländerInnen räubern nicht nur modisch bei MÖTLEY CRÜE, W.A.S.P. und Konsorten, sondern auch musikalisch. Soweit ich das überblicke, sind bisher nur Singles und EPs erschienen und so ganz scheint der eigene Stil noch nicht gefunden worden zu sein. War ganz nett, konnte mich aber nicht begeistern.
  • ALIEN FORCE mögen Szene-Connaisseuren von zwei 80er-LPs bekannt sein. Letztes Jahr wurde ein Comeback gewagt („We Meet Again“), das wie schon das alte Material etwas roh und ungehobelt wirkt. Auch hier keine echten Ohrwürmer, aber rein handwerklich gab's nichts zu meckern.
  • Interessanter wurde es mit PORTRAIT, die einige Besucher sicher auch gerne im regulären Festivalprogramm gesehen hätten. So war die Meute vor der Bühne zwar gut drauf, aber doch überschaubar. Wer hier was zu Meckern suchte, mag den etwas dünnen Sound bemängeln, das war aber auch alles. Routinierter Auftritt, der von einem gelungenen Necropolis-Cover abgeschlossen wurde – natürlich zu Ehren des auf dem HOA 2018 verstorbenen MANILLA-ROAD-Sängers Mark Shelton.

Donnerstag

  • WALLOP sind ebenfalls Veteranen, die 25 Jahre nach ihrem einzigen bisherigen Album 2020 eine neue Scheibe rausbrachten. Bock konnte man der Truppe attestieren, aber insgesamt hat mir der Auftritt nicht viel gegeben.
  • Ein vorläufiges Highlight waren SMOULDER. Das kanadische Quintett konnte einigen der alten Hasen in Sachen Songwriting sicher noch was zeigen. Die epischen Songs waren top dargeboten, lediglich die Stimme von Sängerin Sarah Ann schien ein wenig dünn. Übers Stage Acting mag man unterschiedlicher Auffassung sein, ich fand das mystische Armgewedel aber ganz kultig und bin mir sicher, dass die Gitarrensoli ohne Sarahs beschwörerische Gesten höchstens halb so gut funktioniert hätten. 🧙🏼‍♀️
  • PRAYING MANTIS waren auf CD nie wirklich meine Baustelle: zu vertrackt und vielleicht auch eine Spur zu soft. Also nur für die letzte halbe Stunde ohne große Erwartungen zur Bühne geflitzt und prompt eines Besseren belehrt worden. Neue und alte Songs gehen live sofort ins Ohr und das Publikum war sichtlich begeistert. Der „Time Tells no Lies“-Scheibe werde ich zuhause noch mal etwas Aufmerksamkeit zukommen lassen!
  • Mit HEATHEN war nun die erste Thrash-Band an der Reihe. Evergreens wie Death by Hanging funktionieren live natürlich super, aber so ein richtiger Fan werde ich trotzdem nicht mehr.
  • Noch son Ding: von VENOM INC. hatte ich mir aufgrund der letzten Studio-Alben überhaupt nicht viel versprochen, zumal mich auch Mantas' Auftritt 2013 mit MPire of Evil nicht vom Hocker gerissen hatte. Wir sind also in der Hoffnung auf alte Songs wieder nur für die zweite Hälfte zur Bühne gegangen. Und wieder hab ich's bereut, denn das Trio feierte einen astreinen Abriss. Der wahnsinnig laute und aufs allernötigste reduzierte Schrammel-Gitarren­sound gab allen Songs einen satten Schuss Ranz und Fuck-you-Attitüde. Hier wurde gezeigt, wo der Hammer hängt.

Freitag

  • Unser letzter Festivaltag wurde ruhig angegangen. Erst die Holländer von MARTYR konnten uns aufs Bühnengelände locken. Wie schon auf dem Steel Held High 2019 in Braunschweigt agierte Sänger Robert van Haren als selbstbewusste Rampensau leider auch mal jenseits der Cringe-Schwelle. Am gediegenen HOA-Publikum biss er sich trotz aller Mühen die Zähne aus, aber zumindest für anerkennendes Kopfnicken reichte es und das ist in Norddeutschland schon ne Menge wert.
  • Das Highlight, auf das ich an diesem Tag hinfieberte, hieß BLAZE BAYLEY. Wie kürzlich auf dem Detze wurde ein IRON-MAIDEN-Set versprochen, das sich natürlich auf die beiden von ihm eingesungenen Alben beschränkte. The X Factor (1995) und Virtual XI (1998) konnten nach Bruce Dickinsons Weggang viele Fans nicht so wirklich abholen und ich hab das Gefühl, dass die Wahrnehmung auch an die späteren Metaller-Generationen weitergegeben wurde. In Anbetracht der Klasse der Songs ist das eigentlich kaum nachzuvollziehen und ich bin froh, den Alben zuletzt mal wieder eine Chance gegeben zu haben. Und auch wer in Vorfeld noch skeptisch war, dürfte schnellstens überzeugt gewesen sein. Blaze ist ein durch und durch professioneller Frontmann, der die Zuschauer sofort in seinen Bann zieht und zusammen mit seiner bestens eingespielten Bands auf durchgehend hohem Level performt. Wie schon gesagt, besonders euphorisch erlebt man das Headbangers-Publikum selten, aber hier wurde es erstmals richtig schwierig den Biernachschub am Stehplatz weit vorne sicherzustellen.

Was aussieht wie eine D&D-Runde mit E-Gitarren ist SMOULDER Rotlicht und Lärm: VENOM INC. Abräumer des Tages: BLAZE BAYLEY.

Für mich war an dieser Stelle der offizielle Teil des HOA 2022 beendet. Ab zu Bett, morgen früh wird abgebaut und die Autobahn in Richtung NRW unsicher gemacht!

Den Samstag mit TYTAN, TYGERS OF PAN TANG, ULI JOHN ROTH, LOUDNESS und PENTAGRAM hätte ich mir natürlich liebend angesehen, aber es wurde ein schönes Fest gefeiert, viel geschlemmt und wäre der Elbtunnel nicht gesperrt gewesen, wäre die Reise auch nur halb so wild gewesen.

Bis 2023!