Headbangers Open Air 2019

Schon im Früh­jahr lag das Ticket fürs dies­jäh­rige Head­ban­gers Open Air bereit. Die Vor­freude stieg, alles tip­pi­toppi – wäre da nicht plötz­lich ein guter Freund ins Haus geschneit gekom­men, um uns eine Hoch­zeits­ein­la­dung aus­ge­rech­net fürs letzte Juli-Wochen­ende in die Hand zu drü­cken. Aber wollen wir uns mal nicht beschwe­ren, die meis­ten Leute hei­ra­ten ja meist nur einmal und das Fest war auch sehr gelun­gen!

Hier soll es nun aber um das Fes­ti­val in Brande Hör­ner­kir­chen gehen: Ganz nehmen lassen wollte ich es mir näm­lich nicht, von Mitt­woch bis Sams­tag­mor­gen rein­zu­schauen. Und so tin­gelte unsere Truppe in ansons­ten klas­si­scher Beset­zung runter, um mal wieder die Lage zu che­cken. Im Grunde war natür­lich alles beim Alten (so wie es sein soll) – und des­halb geht’s jetzt direkt um die Musik:

Bands

Don­ners­tag, 25. Juli

  • Espio­nage, die dritte Band des HOAs, war mein Ein­stieg in den musi­ka­li­schen Teil des Wochen­en­des. Die Aus­tra­lier spie­len spee­di­gen Heavy Metal und bieten damit genau die rich­tige Unter­hal­tung für einen brü­tend­hei­ßen frühen Abend. Das Rad haben die Jungs genau wie Gen­re­kol­le­gen à la STRIKER, STAL­LION & Co., zwar nicht neu erfun­den. Aber wenn statt rou­ti­nier­ten Berufs­mu­si­kern junge Metal­fans auf einer Bühne stehen, geht die Post halt immer etwas mehr ab. Hat mir live ne ganze ecke besser gefal­len als beim Rein­hö­ren auf YouTube. Extra-Sym­pa­thie­punkte gibt’s für ein gelun­ge­nes W.A.S.P.-Cover (I Wanna Be Some­body).
  • San­he­drin reihen sich auf dem ersten Blick in die Reihe der okkul­ten Rock­bands mit Front­frau ein. Eine kleine Beson­der­heit ist die MOTÖRHEA­Des­que Trio-Beset­zung, die (erfreu­li­cher­weise) keinen Raum für großes Tamtam lässt. Außer­dem ist der Sound ver­gleich­weise heavy, aber so kom­plett vom Hocker geris­sen hat mich das Ganze leider trotz­dem nicht.
  • Eine fucking SLADE-Cover­band zur besten Prime Time? Was (für mich) nach einer ziem­lich bescheu­er­ten Idee klang, hat erstaun­lich gut funk­tio­niert. Die Refrains großer Ohr­wür­mer wie Come on Feel the Noize und Far, Far Away kann nun wirk­lich jeder mit­sin­gen und viel­leicht hat auch der geho­bene Alters­durch­schnitt im Publi­kum dafür gesorgt, dass hier so aus­ge­las­sen abge­fei­ert wurde. Gehol­fen hat sicher auch, dass Slade UK die Klas­si­ker ziem­lich riff-betont spie­len und dass der Sänger stimm­lich sicher­lich auch den einen oder ande­ren ACCEPT-Song gut ver­to­nen könnte. 
  • Nach diesem Stim­mungs­hö­he­punkt kann Queens­rÿche eigent­lich nur ver­lie­ren. Und der ver­spä­tete Beginn durch über­lan­gen Sound­check hat sicher­lich auch nicht gehol­fen. Offen gesagt fand ich Queens­rÿche auch musi­ka­lisch immer ziem­lich lahm, auch wenn hier zwei­fels­ohne begna­dete Musi­ker am Werk sind. In den ersten Reihen war die Stim­mung wohl auch ganz gut, weiter hinten leer­ten sich die Reihen sich aber zuse­hends.

Frei­tag, 26. Juli

  • Pünkt­lich zur Mit­tags­zeit eröff­ne­ten Space Chaser den Frei­tag. Die sym­pa­thi­sche Truppe ist schon seit vielen Jahren als Zuschauer Stamm­gast auf dem HOA und hat die Stim­mungs­mess­latte mit ihren ober­kul­ti­gen Musik­vi­deos natür­lich hoch ange­setzt. Die Erwar­tun­gen wurden nicht ent­täuscht, für mich war der Auf­tritt sogar der dies­jäh­rige Fes­ti­val­hö­he­punkt. Ober­geil!
  • Kurz ne Hülse an den Mund gelegt und dann mal schauen, wie die gute Jutta Wein­hold mit ihrer Truppe Velvet Viper sich so schlägt. Ich hab ehr­lich gesagt nicht allzu viel erwar­tet, wurde dann aber doch posi­tiv über­rascht: Die ansons­ten junge Truppe hat gut was drauf und für mitt­ler­weile 71 Lenze ist die Front­frau über­ra­schend agil und auch stimm­lich noch auf hohem Niveau. So viel authen­ti­schen Applaus hat an diesem Wochen­ende wohl kein ein ande­rer Act genos­sen. Hut ab!
  • Von Cere­bus ist bei mir wie­derum nicht so viel hän­gen­ge­blie­ben. Viel Heavy, etwas Prog, für meinen Geschmack aber zu wenig Ohr­wür­mer. Nicht meine Bau­stelle.
  • Recht groß waren die Erwar­tun­gen an Medi­eval Steel, auf die viele Die-Hard-Fans sehn­süch­tig gewar­tet hatten. Mich hat der Auf­tritt aller­dings etwas an den ANGEL­WITCH-Gig von 2016 erin­nert: 80% des Publi­kums wartet auf den einen Über-Song der Band, der natür­lich erst ganz am Ende abge­feu­ert wird. Davor wird gedul­dig gewar­tet und die Band mit eini­gem Anstands­ap­plaus geehrt, aber so rich­tig Stim­mung kam nur direkt vor der Bühne auf.
  • Ähn­li­ches Bild bei Sanc­tuary, die nach dem Tod von Warrel Dane mit neuen Sänger unter­wegs sind. Das etwas sper­rige Mate­rial ist eher was für Fans – die schie­nen durch­aus zufrie­den, aber am Bier­stand herrschte deut­lich bes­sere Stim­mung.
  • Mein Fes­ti­val-Abschluss sollte dann Exci­ter sein. Auch wenn Heavy Metal Maniac“ zurecht als legen­dä­res Album in die Anna­len des Speed Metals ein­ge­gan­gen ist, war der andert­halb­stün­dige Auf­tritt für mich etwas zu viel des Guten.

Fazit

Auch mit einem Tag weni­ger war das Head­ban­gers mal wieder ein großer Spaß. Etwas bitter war die alles nie­der­bren­nende Hitze, die am Don­ners­tag ihren Höhe­punkt erreichte und neben der Stim­mung auch auf den Kreis­lauf drückte. Mit nassem Hand­tuch im Nacken und kühlen Drinks in der Kralle ließ sich aber auch das ertra­gen und ansons­ten war alles top: Viele bekannte Gesich­ter, top Ver­pfle­gung vor Ort zu huma­nen Prei­sen und locke­res Per­so­nal. Und musi­ka­li­sche High­lights gab’s wie oben beschrie­ben natür­lich auch ein paar.

Wir sehen uns 2020 wieder – wenn nichts dazwi­schen kommt!