Headbangers Open Air 2018

Auch wenn sich in diesem Blog sonst wenig tut, so soll es doch eine Konstante geben: Jedes Jahr erscheint ein verdammter Artikel zum Headbangers Open Air!

Zum mittlerweile siebenten Mal hat es mich nach Brande-Hörnerkirchen gezogen und zugegebenermaßen hat sich eine spĂŒrbare Routine beim Schreiben des jĂ€hrlichen Festivalberichts eingestellt.

Das soll jetzt gar nicht mal negativ klingen, denn erfreulicherweise Ă€ndert sich von Jahr von Jahr reichlich wenig auf dem HOA: Das umgebaute BĂŒhnengelĂ€nde ist schon vom letzten Jahr bekannt und neu hinzugekommen sind lediglich ein paar Fress-/Non-Food-Buden, die wohl vorher dem Hörnerfest vorbehalten waren, welches mit anderem musikalischen Fokus auf demselben GelĂ€nde stattfindet. Ob man das kostenpflichtige Bad im Waschzuber oder einen Seifenladen (?) nun wirklich braucht, soll jeder fĂŒr sich entscheiden. Vom Kirmes-Feeling ist man auf dem Headbangers trotzdem noch weit entfernt.

[Foto] BĂŒhnengelĂ€nde des Headbangers Open Air 2018
Sommer 2018: Wer den Schatten verlÀsst, stirbt.

Bands

Dank der Bullenhitze hab ich den schĂŒtzenden Pavillon leider nicht so hĂ€ufig verlassen wie es technisch möglich gewesen wĂ€re. Zumindest ĂŒber die folgenden Gigs habe ich mir ein genaueres Bild gemacht:

  • Die jungen Belgier von Speed Queen stellten fĂŒr mich den diesjĂ€hrigen Auftakt dar und ĂŒberzeugten mit sackstarkem Speed Metal und vor allem unglaublicher Spielfreude. Die EP „King of the Road“ steht weit oben auf meinem Einkaufszettel.
  • Mehr Speed Metal: Seax schwimmen auf der aktuellen Retro-Welle aus US-Amerika weit vorne mit. Mir klingt das Material leider eine Spur zu austauschbar, aber mit nem kĂŒhlen Bier in der Kralle geht das schon klar.
  • Manilla Road galten natĂŒrlich im Vorfeld schon als Riesenkracher. Bereits 1977 gegrĂŒndet und mit einem entsprechend dicken Sack alter Hits im GepĂ€ck wurde es am Eröffnungstag erstmals voll vor der BĂŒhne und wer bei Christal Logic vom gleichnamigen 1983er Album nicht wenigstens ein bisschen GĂ€nsehaut hatte, soll sein schwermetallisches GlĂŒck doch lieber in Wacken suchen.
    Umso tragischer war dann die mittlerweile hinglÀnglich zirkulierte Nachricht vom Tod Mark Sheltons in ebendieser Nacht. An anderer Stelle wurde bereits alles gesagt, ich spare mir daher weitere Worte.
  • Der Festival-Freitag begann spĂ€t fĂŒr mich, genauer gesagt war Tankard abends um neun die erste Band, bei der ich nicht nur mit einem Ohr und Auge zugegen war. Wie immer großes Kino und viel Party, live immer wieder ein Genuss!
  • Hitten ĂŒberzeugen auf Platte mit starkem Heavy Metal, der mir auf mitunter aber schon beinahe zu glattpoliert vorkommt. Live macht die Sache schon mehr Spaß. Routinierter, aber toller Auftritt!
  • Als nĂ€chstes stand gediegener NWoBHM auf dem Programm: Witchfynde. Wenn ich ehrlich bin, ist bei mir wenig hĂ€ngengeblieben, wobei das Gros der Anwesenden jedoch offensichtlich seinen Spaß hatte.
  • Noch so ein Kandidat, mit dem ich allerdings im Vorfeld schon nie ganz warmgeworden bin: Metal Inquisitor gaben ordentlich Gas und scheinen allgemein ein cooler Haufen zu sein, aber so recht packen mich die Songs einfach nicht.
  • Der Auftritt von Anvil hat polarisiert, wie man im HOA-GĂ€stebuch und auf Facebook lesen kann: Zu bekifft, zu albern und sowieso ein zu kostbarer Slot fĂŒr eine vermeintlich ĂŒberbewertete Band.
    Über den tatsĂ€chlichen Cannabiskonsum vorm Auftritt kann ich nur spekulieren. Fest steht aber, dass der Auftritt von Anfang bis Ende professionell und absolut tight runtergezockt wurde. Sicherlich sind manchen die choreographischen Einlagen und vorgetragenen Sauf-Anekdoten mit Lemmy nicht ernst genug, aber ich hĂ€tte mich hier und da fast eingenĂ€sst vor Lachen. Klar, das alles ist albern – aber hat eben auch einen Bombenunterhaltungswert. Und ganz nebenbei hat die 35-jĂ€hrige Bandkarriere trotz mehrerer schwacher Alben weit mehr Hits hervorgebracht als notwendig, um ein gut einstĂŒndiges Set zu fĂŒllen.
    [Foto] Anvil-Auftritt auf dem HOA 2018
    Anvil: Wer könnte diesen Fratzen böse sein?

    Ich wĂŒrde mir jedenfalls keinen Anvil-Gig entgehen lassen und wenn ich die Rauchschwaden und zufriedenen Gesichter auf Seiten des Publikums richtig gedeutet habe, sah der ĂŒberwiegende Teil der Augen-, Nasen- und Ohrenzeugen das genauso.

  • Festivalabschluss und absoluter Oberknaller waren dann Riot V. Dass diese Band strĂ€flich unterbewertet ist, wurde in den anderthalb Stunden mehr als klar: Mit einer ganzen Palette starker Songs und unbĂ€ndiger Spielfreude hatte der New Yorker FĂŒnfer die wachgebliebene Meute vor der BĂŒhne sofort im Griff. FĂŒr mich war jedenfalls an Schlafen nicht zu denken – viel eher hat mich die Frage beschĂ€ftigt, warum Riot nie so richtig durch die Decke gegangen sind und ob das stĂ€ndig gedrehte Besetzungskarussell nun eigentlich Ursache oder Wirkung hiervon darstellte. Kann man alles bei Gelegenheit genauer ergrĂŒnden, war an diesem Abend aber eigentlich völlig nebensĂ€chlich. Toller Auftritt, tolle Songs und noch lange nachwirkende OhrwĂŒrmer.

Fazit

Wie schon geschrieben sind leider dieses Jahr fĂŒr mich einige Auftritte dank der unnachgiebigen Hitze auf der Strecke geblieben, aber was soll's. Das Headbangers Open Air ist nach wie vor gemĂŒtlich, man trifft viele bekannte Gesichter, die Stimmung war super und irgendwie war es auf der grĂŒnen Wiese sogar ein bisschen weniger mĂŒllig als in den vergangenen Jahren. NĂ€chstes Jahr bitte genau so, aber ein paar Grad kĂŒhler!