Headbanger’s Open Air 2017

Der Garten brennt – bei jedem Wetter

6. August 2017 | #headbangersopenair #metal #festival #rohbau #nightdemon #paragon #prettymaids #warrant #attacker #stormwarrior #picture #attic #bullet #rockgoddess #raven #loudness

Neues Jahr, neuer HOA-Artikel! Wie in den vergangenen sechs Jahren ging es für mich auch anno 2017 ins Holsteiner Nirgendwo, um zu feiern und dem old-schooligem Heavy Metal zu fröhnen!

Musikalisch …

  • Zugegeben, den Festival-Opener Rohbau habe ich nur wegen des Freibiers gesehen (20 Jahre Headbangers Open Air!). Den deutschsprachigen Metal-Schlager (vielleicht vergleichbar mit Subway To Sally ohne Dudelsack) braucht ehrlich gesagt kein Mensch.
  • Um Night Demon wird momentan viel Wind gemacht, was in Anbetracht der sackstarken Releases durchaus berechtigt ist. Dementsprechend wird es erstmals voller vor der Bühne – der Sound ist leider nicht besonders toll und obwohl die Amis trotzdem gut angenommen werden, kommt erst ab dem „Radar Love“-Cover echte Stimmung im Publikum auf. Einziger echter Dämpfer ist leider Darkness Remains – was auf Platte super funktioniert, ist für eine Festivalbühne wohl einfach zu sperrig.
  • Paragon liefern wie immer solide Teutonen-Hausmannskost. Damit ist ihnen nie so richtig der Durchbruch geglückt und obwohl sich nicht besonders viele Headbanger vor der Bühne einfinden, zeigt sich die Band gut gelaunt und sympathisch. Gelungener Auftritt!
  • Headliner des ersten Abends sind Pretty Maids. Sehr routinierter Auftritt, der eigentlich einer größeren Bühne würdig ist. Die teils sehr soften und langatmigen Songs sind nicht jedermanns Sache im Publikum, werden aber gelungen inszeniert. Trotzdem eher nicht meine Baustelle.

[Foto] Bühne mit Schriftzug „Der Garten Brennt!“

Der Garten brennt, nicht nur bei Stormwarrior.
  • Die Thrasher von Warrant eröffnen für uns den zweiten Festival-Tag. Und wie! Der axtschwingende Henker auf der Bühne ist eben so trashig wie geil (na gut, eher geil!) und die Band hat sichtlich Bock. Top!
  • Mit dem US-Metal von Attacker bin nie richtig warm geworden und daher nur auf Verdacht zur Bühne geschlendert. Der Auftritt wird vom Publikum sehr wohlwollend aufgenommen und die Band präsentiert sich absolut sympathisch.
  • Stormwarrior-Sänger Lars Ramcke lief schon bei den letzten HOAs immer wieder durchs Publikum, 2017 sollte es auch mal wieder einen Gig geben. Getrübt wird der solide Auftritt lediglich vom schwachen Sound und einem Platzregen – meinetwegen hätten noch mehr Nummern der ersten beiden Platten ins Set gepasst, aber dennoch ein gelungener Auftritt.
  • Auf die Holländer Picture hatte ich mich vorab ziemlich gefreut, leider fiel der Gig (für mich) den Folgen des allgemeinen Hellraisings zum Opfer. Die echten Gassenhauer zum Ende des Sets habe ich dadurch leider verpasst. Bis dahin jedoch ein solider Auftritt!
  • Mit Attic scheinen die Sound-Probleme weitgehend behoben zu sein, jedenfalls klingt die Band sehr klar und insbesondere die gesangliche Leistung von Meister Cagliostro kommt super rüber. Wie schon beim Auftritt 2012 polarisiert die Truppe sichtlich (kollektives Freidrehen in den ersten und Kopfschütteln in den letzten Reihen), agiert nun aber sichtlich souveräner auf der Bühne. Vielleicht mein persönliches Highlight dieses Jahr.
  • Die Schweden von Bullet machen wie immer ein riesen Fass auf – der Party-Hard-Rock kommt super an und bläst den Unmut über die Schlammschlacht auf den (ähem) Grünflächen für einen Moment beiseite.
  • Rock Goddess haben mich leider nicht wirklich überzeugt – die geballte Bühnenerfahrung der Frauentruppe sieht man ihr natürlich an, doch so recht zünden die schlichten Heavy-Nummern bei mir einfach nicht (Heavy Metal Rock'n'Roll? Im Ernst?).
  • Anders sieht die Welt wenig später bei Raven aus: Das Trio agiert natürlich ungleich unfiligraner, gleicht dies jedoch mit einer gehörigen Portion Party aus. Geniale Live-Band.
  • Die japanischen Loudness schließen das 20. HOA mit einer mächtigen Heavy-Metal-Show ab. Eine gut gelaunte Band, vereint mit dem wohl perfekten Publikum für einen solchen Auftritt. Besser hätte man das Festival kaum abschließen können!

[Foto] Regenschauer

Immerhin: Im Regen stehen musste meistens niemand.

… und drumherum

Wie schon angedeutet ließ das Wetter weitgehend zu wünschen übrig. Ansonsten war der HOA-Alltag wie gewohnt: Bier und Pommes sehr preiswert und überall entspannte Leute. Neu war in diesem Jahr das veränderte Bühnenareal: Backstage- und Bühnenbereich wurden getauscht. So gibt es jetzt mehr Platz vor der Bühne, aber die Gemütlichkeit leidet ein wenig, da es sich jetzt eben nicht mehr wie eine Gartenparty anfühlt. Pluspunkte gibt es allerdings für das Bühnendach, das weit in den Publikumsbereich hineinragt und wirkungsvoll vor Sonne und Regen schützt.

Neu waren allerdings auch ein paar Homofürsten, die laut Einträgen im Online-Gästebuch (wie oldschool dieses Festival einfach ist!) des Nachts in zahlreiche Zelte einbrachen und Bargeld stahlen. Nächstes Jahr bleiben diese Personen hoffentlich zu Hause oder werden angemessen niedergestreckt.

Nett wäre zudem gewesen, wenn auf die vorab kommunizierte Bitte, keine Brötcheneinkäufe mit dem Auto zu erledigen, strenger geachtet worden wäre. Der Acker war bereits am Freitagabend schwer sumpfig und die Traktoren haben es am Samstag nicht besser gemacht (weite Teile der Besucher sind aufgrund des Wetters bereits vorzeitig abgereist). Sonntag wurde es selbst für die Traktoren schwierig, noch auf die hinteren Wiesen zu kommen, um die wartenden Gäste abzuschleppen (Grüße an den Münchner Zeltnachbarn, der geschlagene drei Stunden auf einen freien Trecker gewartet hat). Die Kohle, die die Bauern fürs Abschleppen nahmen (10 bis 15 € pro Karre) kann man meinetwegen auf den Ticketpreis schlagen und damit für besser befestigte Wege sorgen.

Trotz dieser Kleinigkeiten stehen die Chancen gut, dass wir nächstes Jahr wieder einfallen. Mit u. a. Girlschool, Tyrant, Darkness, Metal Inquisitor, Witchfynde und Hitten gibt es jedenfalls jetzt schon einige Gründe dafür.


(Artikelfoto: ATTIC, geknipst von Frank Schwichtenberg, veröffentlicht unter CC-BY-SA-4.0-Lizenz)