Headbangers Open Air 2017

Neues Jahr, neuer HOA-Arti­kel! Wie in den ver­gan­ge­nen sechs Jahren ging es für mich auch anno 2017 ins Hol­stei­ner Nir­gendwo, um zu feiern und dem old-schoo­li­gem Heavy Metal zu fröh­nen!

Musi­ka­lisch …

  • Zuge­ge­ben, den Fes­ti­val-Opener Rohbau habe ich nur wegen des Frei­biers gese­hen (20 Jahre Head­ban­gers Open Air!). Den deutsch­spra­chi­gen Metal-Schla­ger (viel­leicht ver­gleich­bar mit Subway To Sally ohne Dudel­sack) braucht ehr­lich gesagt kein Mensch.
  • Um Night Demon wird momen­tan viel Wind gemacht, was in Anbe­tracht der sack­star­ken Relea­ses durch­aus berech­tigt ist. Dem­entspre­chend wird es erst­mals voller vor der Bühne – der Sound ist leider nicht beson­ders toll und obwohl die Amis trotz­dem gut ange­nom­men werden, kommt erst ab dem Radar Love“-Cover echte Stim­mung im Publi­kum auf. Ein­zi­ger echter Dämp­fer ist leider Darkness Remains – was auf Platte super funk­tio­niert, ist für eine Fes­ti­val­bühne wohl ein­fach zu sper­rig.
  • Para­gon lie­fern wie immer solide Teu­to­nen-Haus­manns­kost. Damit ist ihnen nie so rich­tig der Durch­bruch geglückt und obwohl sich nicht beson­ders viele Head­ban­ger vor der Bühne ein­fin­den, zeigt sich die Band gut gelaunt und sym­pa­thisch. Gelun­ge­ner Auf­tritt!
  • Head­liner des ersten Abends sind Pretty Maids. Sehr rou­ti­nier­ter Auf­tritt, der eigent­lich einer grö­ße­ren Bühne würdig ist. Die teils sehr soften und lang­at­mi­gen Songs sind nicht jeder­manns Sache im Publi­kum, werden aber gelun­gen insze­niert. Trotz­dem eher nicht meine Bau­stelle.
[Foto] Bühne mit Schriftzug „Der Garten Brennt!“
Der Garten brennt, nicht nur bei Storm­war­rior.
  • Die Thras­her von War­rant eröff­nen für uns den zwei­ten Fes­ti­val-Tag. Und wie! Der axt­schwin­gende Henker auf der Bühne ist eben so tra­shig wie geil (na gut, eher geil!) und die Band hat sicht­lich Bock. Top!
  • Mit dem US-Metal von Atta­cker bin nie rich­tig warm gewor­den und daher nur auf Ver­dacht zur Bühne geschlen­dert. Der Auf­tritt wird vom Publi­kum sehr wohl­wol­lend auf­ge­nom­men und die Band prä­sen­tiert sich abso­lut sym­pa­thisch.
  • Storm­war­rior–Sänger Lars Ramcke lief schon bei den letz­ten HOAs immer wieder durchs Publi­kum, 2017 sollte es auch mal wieder einen Gig geben. Getrübt wird der solide Auf­tritt ledig­lich vom schwa­chen Sound und einem Platz­re­gen – mei­net­we­gen hätten noch mehr Num­mern der ersten beiden Plat­ten ins Set gepasst, aber den­noch ein gelun­ge­ner Auf­tritt.
  • Auf die Hol­län­der Pic­ture hatte ich mich vorab ziem­lich gefreut, leider fiel der Gig (für mich) den Folgen des all­ge­mei­nen Hell­rai­sings zum Opfer. Die echten Gas­sen­hauer zum Ende des Sets habe ich dadurch leider ver­passt. Bis dahin jedoch ein soli­der Auf­tritt!
  • Mit Attic schei­nen die Sound-Pro­bleme weit­ge­hend beho­ben zu sein, jeden­falls klingt die Band sehr klar und ins­be­son­dere die gesang­li­che Leis­tung von Meis­ter Caglio­s­tro kommt super rüber. Wie schon beim Auf­tritt 2012 pola­ri­siert die Truppe sicht­lich (kol­lek­ti­ves Frei­dre­hen in den ersten und Kopf­schüt­teln in den letz­ten Reihen), agiert nun aber sicht­lich sou­ve­rä­ner auf der Bühne. Viel­leicht mein per­sön­li­ches High­light dieses Jahr.
  • Die Schwe­den von Bullet machen wie immer ein riesen Fass auf – der Party-Hard-Rock kommt super an und bläst den Unmut über die Schlamm­schlacht auf den (ähem) Grün­flä­chen für einen Moment bei­seite.
  • Rock God­dess haben mich leider nicht wirk­lich über­zeugt – die geballte Büh­nen­er­fah­rung der Frau­en­truppe sieht man ihr natür­lich an, doch so recht zünden die schlich­ten Heavy-Num­mern bei mir ein­fach nicht (Heavy Metal Rock’n’Roll? Im Ernst?).
  • Anders sieht die Welt wenig später bei Raven aus: Das Trio agiert natür­lich ungleich unfi­li­gra­ner, gleicht dies jedoch mit einer gehö­ri­gen Por­tion Party aus. Geniale Live-Band.
  • Die japa­ni­schen Loud­ness schlie­ßen das 20. HOA mit einer mäch­ti­gen Heavy-Metal-Show ab. Eine gut gelaunte Band, ver­eint mit dem wohl per­fek­ten Publi­kum für einen sol­chen Auf­tritt. Besser hätte man das Fes­ti­val kaum abschlie­ßen können!
[Foto] Regenschauer
Immer­hin: Im Regen stehen musste meis­tens nie­mand.

… und drum­herum

Wie schon ange­deu­tet ließ das Wetter weit­ge­hend zu wün­schen übrig. Ansons­ten war der HOA-Alltag wie gewohnt: Bier und Pommes sehr preis­wert und über­all ent­spannte Leute. Neu in diesem Jahr das ver­än­derte Büh­nen­areal: Back­stage- und Büh­nen­be­reich der letz­ten Jahre wurden ver­tauscht. Das sorgt für etwas mehr Platz vor der Bühne, nimmt der Sache aber auch ein wenig die Gemüt­lich­keit, da es sich eben nicht mehr wie eine Gar­ten­party anfühlt. Plus­punkte gibt es aller­dings für das Büh­nen­dach, das weit in den Publi­kums­be­reich hin­ein­ragt und wir­kungs­voll vor Sonne und Regen schützt.

Neu waren aller­dings ein paar Homo­fürs­ten, die laut Ein­trä­gen im Online-Gäs­te­buch (wie old­school dieses Fes­ti­val ein­fach ist!) und Face­book des Nachts in zahl­rei­che Zelte ein­bra­chen und Bar­geld mit­nah­men. Nächs­tes Jahr blei­ben die Lappen hof­fent­lich zu Hause oder werden ange­mes­sen nie­der­ge­streckt.

Nett wäre zudem gewe­sen, wenn auf die vorab kom­mu­ni­zierte Bitte, keine Bröt­chen­ein­käufe mit dem Auto zu erle­di­gen, stren­ger geach­tet worden wäre. Der Acker war bereits am Frei­tag­abend schwer sump­fig und die Trak­to­ren haben es am Sams­tag nicht besser gemacht (weite Teile der Besu­cher sind auf­grund des Wet­ters bereits vor­zei­tig abge­reist). Sonn­tag wurde es selbst für die Trak­to­ren eng, noch auf die hin­te­ren Wiesen zu kommen, um die war­ten­den Gäste abzu­schlep­pen (Grüße an den Münch­ner Zelt­nach­barn, der geschla­gene drei Stun­den auf einen freien Tre­cker gewar­tet hat). Die Kohle, die die Bauern fürs Abschlep­pen nahmen (10 bis 15 € pro Karre) kann man mei­net­we­gen auf den Ticket­preis schla­gen und damit für besser befes­tigte Wege sorgen.

Trotz dieser Klei­nig­kei­ten stehen die Chan­cen gut, dass wir nächs­tes Jahr wieder ein­fal­len. Mit u. a. Girl­school, Tyrant, Darkness, Metal Inqui­si­tor, Witch­fynde und Hitten gibt es jeden­falls jetzt schon einige Gründe dafür.