So wie einst das Wacken-Wochenende ist für meine Freunde und mich inzwischen das letzte Juli-Wochenende so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt des Sommers geworden: Das Headbanger's Open Air lockt Hartwürste von Nah und Fern in die holsteinische Provinz. Zielpublikum: Vor allem Überzeugungs- und Wiederholungstäter.

Bands

Nachdem mittlerweile das Gros der Klamotten wieder sauber und das meiste Camping-Geraffel verstaut ist, schreibe ich wie gewohnt noch ein paar Zeilen über meine Eindrücke:

  • Den Einstieg machten anno 2016 Kryptos. Der thrashige Heavy Metal der indischen Band ist anscheinend ausschließlich von westlichen Einflüssen geprägt und kam beim Publikum bereits ganz gut an. Bonuspunkte gibt es für den super herzlichen Merch-Mann, der auch den Rest des Wochenendes sichtlich genossen hat.
  • Mit Tytan enterten im Anschluss die ersten NWoBHM-Veteranen die Bühne. Ich habe den Anfang des Gigs verpasst, was sich als böser Fehler herausstellte: Der vergleichsweise softe und melodische Sound hat Potential für hartnäckige Ohrwürmer – damit steht die damals einzige veröffentlichte LP definitiv auf meiner Wunschliste.
  • Angel Witch sollten als Headliner des ersten Tages das erste Highlight werden. So ganz mitreißen konnte mich die Truppe nicht und außer bei der gleichnamigen Band-Hymne hielt sich auch der überwiegende Rest des Publikums eher vornehm zurück.
  • Der Freitag wurde bereits mittags mit dem Bierfrühstück durch Steelpreacher eingeleitet. Trotz der Uhrzeit war der Platz vor der Bühne bereits mit vielen Kuttenträgern gefüllt. Mit Bier und dummen Sprüchen wurde nicht gegeizt und Nummern wie Bitchcraft und D.O.A. luden zum gepflegten Hellraisen ein. Besserer Start in den Tag als jedes Knuspermüsli!

Bierdusche zum Wachwerden: STEELPREACHER eröffnen den Freitag. Holsteins Antwort auf die Wodkamelone: die Korngurke.

  • Wen die kultigen Videoclips von Night (z.B. zu Gunpowder Treason) komplett kalt lassen, der hat ohnehin nichts begriffen. Der Gesang ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber der hardrockige Heavy Metal (oder umgekehrt) der sympathischen Schweden wirkt sofort. Einzig beim Stage Acting könnte die Truppe noch etwas mutiger sein.
  • Ich bin mir nicht sicher, was in der Zwischenzeit geschah (ähem), doch dieser späte Freitagbend wird mir noch lange in Erinnerung bleiben! Ross the Boss hat einen schweineheißen Sänger aufgetrieben und nach dem überzeugenden Auftritt auf dem Keep it True (leider wieder ohne mich) wurde auf dem HOA noch mal ordentlich nachgelegt. Ein buntes Best-Of aus Ross' Jahren bei Manowar wurde mit überragender Spielfreude und vor allem gesanglich auf höchstem Niveau vorgetragen. Meinetwegen kann Joey seine Band endgültig eintüten, so viel Staub wie die Truppe um Ross wird sie ohnehin nie wieder aufwirbeln. Höhepunkt des Festivals!
  • Air Raid habe ich mir nur auf Empfehlung der Mitreisenden angesehen. Die junge Truppe zeigt, dass die neue Welle aus Schweden noch immer nicht abgeklungen ist. Geiles Set, geiler Frontmann – hier kann sich Night was abgucken. Gerne wieder!
  • Mit Vardis hatte ich eine weitere Traditionsband auf dem Zettel: Gefällig vorgetragener NWoBHM-Sound, von dem bei mir leider nicht viel hängengeblieben ist.
  • Unter dem Namen Oliver/Dawson Saxon haben die beiden ehemaligen Saxon-Männer Graham Oliver und Steve Dawson am HOA 2014 schon mit einem Set alter Hits überzeugt. Dem Publikum sind die Evergreens wohlvertraut und so war die Show quasi ein Selbstgänger. Ein wenig totgehört hat man sich den Crusader oder Strong Arm of the Law natürlich schon; der Auftritt war dennoch überzeugend und funktionierte vor allem dank der Leistung des starken Sängers (Bri Shaughnessy) bestens.
  • Rage habe ich gelangweilt und sicherlich auch etwas enttäuscht vom dauernden Orchester-Bla und Gitarren-Gefiedel irgendwann aus dem Blick verloren. Nachdem Band-Chef Peavy die Band allerdings kürzlich personell neu besetzt, ein starkes neues Album geschrieben und ein Oldschool-Set mit den ehemaligen Mitstreitern Manni Schmidt und Christos Efthimiadis angekündigt hat, war ich aber doch neugierig. Die alte Besetzung firmiert unter dem Namen Refuge und so wurde abwechselnd in beiden Besetzungen gespielt. Ob es an der Verzögerung durch einen überlangen Soundcheck, Desinteresse des Publikums oder vorzeitiger Abreise desselben lag, kann ich nicht genau sagen; jedenfalls war der Platz vor der Bühne überraschend leer, als die Truppe den letzten HOA-Gig 2016 startete. Der Spielfreude tat dies jedoch keinen Abbruch und so wurden die zahlreichen Klassiker mit einer gewaltigen Energie dargeboten. Auf jeden Fall die Überraschung des Festivals!

Drumherum

Hier kann ich nur wiederholen, was ich bereits in den Jahren 2012, 2013 und 2015 schrieb: Das HOA ist ein ur-gemütliches Festival, dem man abnimmt, dass es von und für Fans veranstaltet wird.

Man sieht sich 2017 – mit Pretty Maids, Rock Goddess, Atlantean Codex, Stormwarrior u.a. wurden bereits die ersten Bands angekündigt.


(Artikelfoto: NIGHT-Auftritt, festgehalten von Frank Schwichtenberg, veröffentlicht unter CC-BY-SA-3.0-Lizenz)