Headbanger’s Open Air 2012

Ich genehmige mir gerade das letzte Bier vom vergangenen Headbanger’s Open Air und tippe ein kleines Fazit. Gerüchten zufolge liest ja der eine oder andere Bombenleger hier mit.

Es war jedenfalls ein spaßiges Wochenende tief in der holsteinischen Pampa, ohne Festivaltouristen und Comedians, dafür mit gerade mal 2500 Headbangern1, darunter viele bekannte Gesichter. Für mich war es das erste Mal auf dem mittlerweile 15. HOA und vermutlich nicht das letzte.

Bands

… spielten natürlich auch. Die meisten kannte ich nur vom Reinhören oder allenfalls vom Namen, daher gab’s viel Neues zu entdecken. Kurz und knapp:

  • Portrait sind schon auf CD nicht meine Welt und waren mir auch live zu langatmig. Vom restlichen Publikum wurde der Auftritt aber gut aufgenommen.
  • Jaguar: Aus Partygründen leider nur die letzte Viertelstunde gesehen. Hat mich geärgert, sehr geiler Auftritt!
  • Aufs Abschiedskonzert von Solemnity war ich besonders gespannt, leider wurde das „King of Dreams“-Album – bis auf das kultige Fire in Mainstreamland – komplett ausgelassen, iirc. Die Bühne war durch Kreuze und Kerzen recht überladen und vor lauter Entertaining wurde so mancher Einsatz verpasst. Eine Gratwanderung zwischen charmant und trashig, aber unterm Strich doch sehr unterhaltsam!
  • Lizzy Borden hatten einen ebenfalls aufwendigen Auftritt, der durch überlange und teilweise eher mittelmäßige Soli (jeweils Gitarre, Bass, Schlagzeug) zwischendurch immer an Biss verloren hat. Muss auf Festivals nicht sein, finde ich. Dafür hat das heiße Gepose für einiges entschädigt.
  • Attic avancieren zu einem sehr gelungenen Ersatz für Mercyful Fate. Toller Sänger, geiles Stage-Acting. Auf Dauer für mich etwas zu uneigenständig und vorhersehbar – wird man aber zweifelsohne noch viel von hören.
  • Vanderbuyst lieferten mit ihrem unbeschwerten Rock eine durchgehend energiegeladene und unterhaltsame Show. Wenig Schnickschnack, sympathischer Auftritt – gefiel mir viel besser als z.B. Lizzy Borden.
  • Sinner waren ganz okay, aber haben mich auch auf CD noch nie richtig mitgerissen. Warum man für den recht simplen Heavy Metal drei Gitarristen benötigt, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ganz unterhaltsam wars trotzdem.
  • The Gate (mit Hasche2) wollte ich mir wegen der angekündigten alten Running-Wild-Songs ansehen. Diese wurden allerdings ans Ende des Sets gesetzt, welches ich mir nicht komplett gesehen habe. Das eigene Material mit Titeln wie Shout for Metal schien mir einfach unendlich belanglos. Bin nach 20 Minuten etwas enttäuscht gegangen.
  • In Soltitude waren dank eines völlig betrunkenen Sängers leider ein Totalausfall. War recht gespannt auf den Auftritt, aber das Trauerspiel habe ich mir nur wenige Minuten angesehen. Angeblich wurde der Auftritt kurz darauf abgebrochen – ziemlich peinlich und vor allem schade wegen der sehr akzeptablen Leistung der instrumentalen Fraktion.
  • Hobbs Angel of Death machten da mehr Spaß, mit viel Geschepper und kauzigen Ansagen. Muss ich mich mal genauer mit befassen, auch wenn’s mir doch etwas eintönig schien.
  • Tankard wollte ich mir nicht entgehen lassen, auch wenn ich mehr als zwei, drei Tankard-Alben im Regal immer noch für Platzverschwendung halte. Enormer Partyfaktor, entsprechend ausgelassene Stimmung im Publikum und ein gewohnt liebenswerter Gerre bildeten für mich einen gelungenen Festival-Abschluss. Gerne wieder!

Das komplette Billing kann man (inkl. Links) auf der Festival-Homepage nachlesen und ich staune grad nicht schlecht darüber, dass ich doch recht viele Bands für meine Verhältnisse gesehen hab. ;-)

Drumherum

Was soll man über Atmosphäre schon sagen, wenn die Bühne im Garten des Veranstalters steht? Gemütlich trifft den Gesamteindruck wohl am besten!

0,3 Liter Bier und Fritten mit Majo/Ketchup satt gab’s je für 2 €, Kaffee für 1 €, leckeres „Mittelalter-Brot“ ab 3 €, Schweinenackensteak im Brötchen und Falafel für je 4 Euronen. Außerdem Eis, Hotdogs und ein paar Merchandise-Stände mit den üblichen Preisen.

Wassergespülte Toilettern gab es für Herren jeweils eine vor und auf dem Konzertgelände. Dixis waren ausreichend und in akzeptablem Zustand, zudem kann man für gerade mal 50 € ein privates Dixi mieten3.

Das Publikum war für die Größe der Veranstaltung verblüffend international, vor allem aus den Benelux-Staaten und Großbritannien kamen viele angereist. Nachts ging es ähnlich laut zu wie auf anderen Festivals, insgesamt aber gewohnt friedlich und vor 7 Uhr wurden in meiner Umgebung auch keine Stromgeneratoren (respektive Musikanlagen) angerissen. Auffällig war, dass im ansonsten recht typischen Publikum viele künstlich arrogante Nasen herumliefen – seine Hosen in der Damenabteilung von H&M zu kaufen macht noch keinen Rockstar. Blödsinn sabbeln und Kontakte Knüpfen kann man natürlich trotzdem auch auf dem HOA.

Letzlich hat sich der knappe Fuffi fürs Ticket also gelohnt, zumal Brande-Hörnerkirchen fast noch um die Ecke liegt. Meine Anwesenheit ist also in den nächsten Jahren also sicher nicht ausgeschlossen.

Vielen Dank an alle, mit denen ich zünftig gefeiert habe und gute Nacht allerseits!

1 laut Hamburger Abendblatt, kostenpflichtiger Online-Artikel.

2 Drummer bei Running Wild bis 1982.

3 zum Vergleich: Ein großes Festival in der Nähe von Wacken verlangt das Dreifache.

Andwils Avatar

~andwil

Geek aus Kiel. tobt sich hier vor allem über den Open-Source-Kosmos im Allgemeinen (und Linux im Speziellen) sowie Heavy Metal aus.