Kurztrip Harz

End­lich Urlaub! Und da wir da leben, wo andere Urlaub machen™, müssen wir auch gar nicht groß­ar­tig weg­fah­ren, son­dern genie­ßen die Ostsee vor der eige­nen Haus­tür …

… soweit zumin­dest die Theo­rie. Nach andert­halb Wochen Regen­wet­ter und damit ver­bun­de­ner Strand­ab­sti­nenz muss­ten wir uns für den Som­mer­ur­laub was ande­res über­le­gen und haben daher die Wet­ter­vor­her­sage etwas genauer stu­diert. Ziel sollte dem­nach der Harz werden – der liegt nur wenige Auto­stun­den ent­fernt und bietet für Nord­lich­ter einen echten Tape­ten­wech­sel. Also flugs ne Airbnb-Bude gebucht und auf ging’s.

Wir waren übri­gens schon 2016 für ein spon­ta­nes Herbst­wo­chende in Hah­nen­k­lee; den Trip hatte ich damals aller­dings nur knapp per Ins­ta­gram doku­men­tiert. Die­ses­mal sollte es aber ein paar Tage länger und (rein will­kür­lich aus­ge­wählt) nach Braun­lage gehen, unweit des Bro­ckens. Dieser Arti­kel kommt wie gewohnt etwas ver­spä­tet, tat­säch­lich waren wir schon im August vor Ort. Sei’s drum:

Klappe halten, Berge gucken

Bevor wir uns dem größ­ten Gipfel des Harzes wid­me­ten, begnüg­ten wir uns zunächst mal – zum Auf­wär­men sozu­sa­gen – mit dem Wurm­berg. Der ist mit rund 970 Metern ein wenig klei­ner, dafür aber immer­hin der höchste Berg Nie­der­sa­chens, und punk­tet wie­derum mit einem tollen Blick auf den Bro­cken.

Hoch ging’s natür­lich zu Fuß und nicht mit der Seil­bahn. Ganz alleine ist man auf den gut aus­ge­bau­ten Wan­der­we­gen am Wochen­ende natür­lich nie, doch urige Single-Trails und auch den einen oder ande­ren Geo­cache gibt es natür­lich trotz­dem zu bestau­nen.

Beein­dru­ckend ist die ber­gige Kulisse sicher­lich nicht nur für uns Flach­länd­ler. Eben­falls bemer­kens­wert sind aller­dings auch die vielen Hektar Wald und Forst, die durch den Bor­ken­kä­fer in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wurden: Wäh­rend außer­halb der Natio­nal­park­gren­zen schon groß­flä­chig Fich­ten gefällt wurden und dadurch Hei­de­flä­chen ent­stan­den, die nach und nach auge­fors­tet werden und schon heute aller­lei blü­hen­den­des Gestrüpp behei­ma­ten, reihen sich im Natio­nal­park zehn­tau­sende tote Bäume anein­an­der.

Große tote Wald­ab­schnitte durch­wan­dert man daher ins­be­son­dere beim Auf­stieg auf den Bro­cken. Was ziem­lich gru­se­lig aus­sieht, hat Stra­te­gie. Der Natio­nal­park­wald soll sich selbst von der Fich­ten­mo­no­kul­tur befreien und an den Kli­ma­wan­del anpas­sen, wäh­rend rund­herum durch den Men­schen auf­ge­fors­tet wird. For­scher beob­ach­ten gespannt, was pas­siert; ob es sich hier um ein ein­ma­li­ges, lang­wie­ri­ges Natur­schau­spiel oder eher unter­las­sene Hil­fe­leis­tung han­delt, kann ich nicht beur­tei­len. Span­nend ist es alle­mal.

Harz-Tou­ris­mus

Tolle Land­schaft, kom­plett anders als der platte Norden und doch quasi vor der Haus­tür gele­gen. Ein idea­les Rei­se­ziel also!?

Ich würde das beja­hen, aber der große Schwung Tou­ris­ten bleibt schon länger aus. Und das hat Folgen: Abge­se­hen von den schick sanier­ten Kur­or­ten zer­fal­len die klei­ne­ren, weni­ger ange­sag­ten Ort­schaf­ten zuse­hends. Und auch in gut besuch­ten Orten wie eben Braun­lage haben es die alt­ein­ge­ses­se­nen Unter­neh­men sicht­lich schwer, gegen die fri­sche hips­ter­taug­li­che Gastromie anzu­stin­ken.

Eine tolle Mög­lich­keit, sich eines der ver­schla­fe­nen Harz­städt­chen genauer anzu­se­hen, ist ein wäh­rend der Rück­fahrt rei­ßen­der Keil­rie­men. So begab es sich, dass wir eine unge­plante Nacht in Altenau ver­brach­ten – dort­hin brachte der gelbe Bengel jeden­falls unse­ren (vor­erst nicht mehr) fahr­ba­ren Unter­satz. Eigent­lich ist das auch gar nicht der Rede wert, aber den Ein­satz Leute vor Ort will ich doch posi­tiv her­vor­he­ben: Binnen kür­zes­ter Zeit und völlig unbü­ro­kra­tisch war ein preis­wer­tes Hotel­zim­mer gefun­den und gebucht und wir wurden mit­samt Gepäck sowohl hin- als auch wieder zurück­kut­schiert. Wäh­rend die Hotel­über­nach­tung durch den ADAC gedeckt wurde, war die freund­li­che Hilfe rund­herum reine Freund­lich­keit der orts­an­säs­si­gen Werk­statt­mit­ar­bei­ter. Ob der Hote­lier mög­li­cher­weise mit unse­ren Ansprech­part­nern vor Ort ver­wandt oder ver­schwä­gert war, weiß ich natür­lich nicht, aber das ist ja auch Wurst.

Apro­pos: Auch top sind viele der Restau­rants in der Region. Spe­zia­li­tät ist natür­lich die gut­bür­ger­li­che Küche; exo­ti­sche Groß­stadt­kost sucht man meist ver­ge­bens, aber wir haben einige preis­werte Spei­sen zu uns genom­men und waren ins­be­son­dere immer recht ange­tan vom Ser­vice. Und ich per­sön­lich hab ja kein großes Pro­blem mit einer weit­ge­hend schnit­zel­ba­sier­ten Ernäh­rung. 😉

Um nicht nur heile Welt zu ver­mit­teln: Ob man sich wie­derum die Fahrt mit der Bro­cken-Schmal­spur­bahn für knapp 30 Öcken pro Nase und Fahrt nun wirk­lich geben muss, will ich nie­man­dem vor­schrei­ben. Wir haben uns jeden­falls dafür ent­schie­den, uns den Zug nur von außen anzu­se­hen und das Geld woan­ders zu inves­tie­ren.

Den­noch an dieser Stelle die obli­ga­to­ri­sche Auf­for­de­rung, nicht immer in die Ferne zu schwei­fen, son­dern auch der loka­len Tou­ris­mus­bran­che mal was Gutes zu tun. Schö­ne­res Wetter als zu Hause hatten wir jeden­falls tat­säch­lich und meine Geo­caching-Sta­tis­tik hat sich ganz neben­bei über den 500. Fund gefreut.

Fotos

Gefun­den! Hannah ver­ewigt sich im Geo­cache-​Log­buch.
Auf den Spuren des Bor­ken­kä­fers: In befal­le­nen Gegen­den sieht prak­tisch jedes Stück Baum­rinde so aus. 
Moin­sen!
Außer­halb des Natio­nal­parks wird groß­zü­gig gero­det, wo sich der Bor­ken­kä­fer ein­nis­tet.
… anders im Natio­nal­park: Hier wird der Wald auch bei Käfer­be­fall sich selbst über­las­sen. Das Resul­tat sind tau­sende toter Fich­ten. Hier der Blick auf den Bro­cken.
Noch’n Blick auf den Bro­cken.
Am Gipfel des Wurm­bergs gehts ebenso so sport­lich wie tou­ris­tisch zu. Der Auf­stieg lohnt trotz­dem!
Höhö. 
Am Fuße des Bro­ckens.
Einer der sel­te­nen Wich­tel.
Bro­cken-​Schmal­spur­bahn.
Auf­stieg auf den Bro­cken.
An der Spitze des Bro­ckens.
Blick vom Bro­cken auf den Wurm­berg (mit ehe­ma­li­ger Ski­sprung-​Anlage).
Auch das ist Harz: Saf­tige Berg­wie­sen, die einst zur land­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung der Region genutzt und heute als Kul­tur­erbe gepflegt werden. 
Grenz­er­fah­rung in Sach­sen-​Anhalt.
Lost Place: Ver­fal­lene Ski­sprung­schanze.
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~andwil

Geek aus Kiel. Tobt sich hier vor allem über den Open-Source-Kosmos im Allgemeinen (und Linux im Speziellen) sowie Heavy Metal aus.