Kurztrip Harz

1. Oktober 2019 | #urlaub #reisebericht #geocaching #harz #wandern

Endlich Urlaub! Und da wir da leben, wo andere Urlaub machen™, müssen wir auch gar nicht großartig wegfahren, sondern genießen die Ostsee vor der eigenen Haustür …

… soweit zumindest die Theorie. Nach anderthalb Wochen Regenwetter und damit verbundener Strandabstinenz mussten wir uns für den Sommerurlaub was anderes überlegen und haben daher die Wettervorhersage etwas genauer studiert. Ziel sollte demnach der Harz werden – der liegt nur wenige Autostunden entfernt und bietet für Nordlichter einen echten Tapetenwechsel. Also flugs ne Airbnb-Bude gebucht und auf ging's.

Wir waren übrigens schon 2016 für ein spontanes Herbstwochende in Hahnenklee; den Trip hatte ich damals allerdings nur knapp per Instagram dokumentiert. Diesesmal sollte es aber ein paar Tage länger und (rein willkürlich ausgewählt) nach Braunlage gehen, unweit des Brockens. Dieser Artikel kommt wie gewohnt etwas verspätet, tatsächlich waren wir schon im August vor Ort. Sei's drum:

Klappe halten, Berge gucken

Bevor wir uns dem größten Gipfel des Harzes widmeten, begnügten wir uns zunächst mal – zum Aufwärmen sozusagen – mit dem Wurmberg. Der ist mit rund 970 Metern ein wenig kleiner, dafür aber immerhin der höchste Berg Niedersachens, und punktet wiederum mit einem tollen Blick auf den Brocken.

Hoch ging's natürlich zu Fuß und nicht mit der Seilbahn. Ganz alleine ist man auf den gut ausgebauten Wanderwegen am Wochenende natürlich nie, doch urige Single-Trails und auch den einen oder anderen Geocache gibt es natürlich trotzdem zu bestaunen.

Beeindruckend ist die bergige Kulisse sicherlich nicht nur für uns Flachländler. Ebenfalls bemerkenswert sind allerdings auch die vielen Hektar Wald und Forst, die durch den Borkenkäfer in Mitleidenschaft gezogen wurden: Während außerhalb der Nationalparkgrenzen schon großflächig Fichten gefällt wurden und dadurch Heideflächen entstanden, die nach und nach augeforstet werden und schon heute allerlei blühendendes Gestrüpp beheimaten, reihen sich im Nationalpark zehntausende tote Bäume aneinander.

Große tote Waldabschnitte durchwandert man daher insbesondere beim Aufstieg auf den Brocken. Was ziemlich gruselig aussieht, hat Strategie. Der Nationalparkwald soll sich selbst von der Fichtenmonokultur befreien und an den Klimawandel anpassen, während rundherum durch den Menschen aufgeforstet wird. Forscher beobachten gespannt, was passiert; ob es sich hier um ein einmaliges, langwieriges Naturschauspiel oder eher unterlassene Hilfeleistung handelt, kann ich nicht beurteilen. Spannend ist es allemal.

Harz-Tourismus

Tolle Landschaft, komplett anders als der platte Norden und doch quasi vor der Haustür gelegen. Ein ideales Reiseziel also!?

Ich würde das bejahen, aber der große Schwung Touristen bleibt schon länger aus. Und das hat Folgen: Abgesehen von den schick sanierten Kurorten zerfallen die kleineren, weniger angesagten Ortschaften zusehends. Und auch in gut besuchten Orten wie eben Braunlage haben es die alteingesessenen Unternehmen sichtlich schwer, gegen die frische hipstertaugliche Gastromie anzustinken.

Eine tolle Möglichkeit, sich eines der verschlafenen Harzstädtchen genauer anzusehen, ist ein während der Rückfahrt reißender Keilriemen. So begab es sich, dass wir eine ungeplante Nacht in Altenau verbrachten – dorthin brachte der gelbe Bengel jedenfalls unseren (vorerst nicht mehr) fahrbaren Untersatz. Eigentlich ist das auch gar nicht der Rede wert, aber den Einsatz Leute vor Ort will ich doch positiv hervorheben: Binnen kürzester Zeit und völlig unbürokratisch war ein preiswertes Hotelzimmer gefunden und gebucht und wir wurden mitsamt Gepäck sowohl hin- als auch wieder zurückkutschiert. Während die Hotelübernachtung durch den ADAC gedeckt wurde, war die freundliche Hilfe rundherum reine Freundlichkeit der ortsansässigen Werkstattmitarbeiter. Ob der Hotelier möglicherweise mit unseren Ansprechpartnern vor Ort verwandt oder verschwägert war, weiß ich natürlich nicht, aber das ist ja auch Wurst.

Apropos: Auch top sind viele der Restaurants in der Region. Spezialität ist natürlich die gutbürgerliche Küche; exotische Großstadtkost sucht man meist vergebens, aber wir haben einige preiswerte Speisen zu uns genommen und waren insbesondere immer recht angetan vom Service. Und ich persönlich hab ja kein großes Problem mit einer weitgehend schnitzelbasierten Ernährung. 😉

Um nicht nur heile Welt zu vermitteln: Ob man sich wiederum die Fahrt mit der Brocken-Schmalspurbahn für knapp 30 Öcken pro Nase und Fahrt nun wirklich geben muss, will ich niemandem vorschreiben. Wir haben uns jedenfalls dafür entschieden, uns den Zug nur von außen anzusehen und das Geld woanders zu investieren.

Dennoch an dieser Stelle die obligatorische Aufforderung, nicht immer in die Ferne zu schweifen, sondern auch der lokalen Tourismusbranche mal was Gutes zu tun. Schöneres Wetter als zu Hause hatten wir jedenfalls tatsächlich und meine Geocaching-Statistik hat sich ganz nebenbei über den 500. Fund gefreut.

Fotos

Gefunden! Hannah verewigt sich im Geocache-Logbuch. Auf den Spuren des Borkenkäfers: In befallenen Gegenden sieht praktisch jedes Stück Baumrinde so aus. Moinsen! Außerhalb des Nationalparks wird großzügig gerodet, wo sich der Borkenkäfer einnistet. … anders im Nationalpark: Hier wird der Wald auch bei Käferbefall sich selbst überlassen. Das Resultat sind tausende toter Fichten. Hier der Blick auf den Brocken. Noch'n Blick auf den Brocken. Am Gipfel des Wurmbergs gehts ebenso so sportlich wie touristisch zu. Der Aufstieg lohnt trotzdem! Höhö. Am Fuße des Brockens. Einer der seltenen Wichtel. Brocken-Schmalspurbahn. Aufstieg auf den Brocken. An der Spitze des Brockens. Blick vom Brocken auf den Wurmberg (mit ehemaliger Skisprung-Anlage). Auch das ist Harz: Saftige Bergwiesen, die einst zur landwirtschaftlichen Versorgung der Region genutzt und heute als Kulturerbe gepflegt werden. Grenzerfahrung in Sachsen-Anhalt. Lost Place: Verfallene Skisprungschanze.