Das Duell: Garmin vs. Handy

Geocacher mit Handy als GPS-Empfänger sind die Geißel der Menschheit – jedenfalls wenn man der Meinung einiger Geocaching-Puristen glauben will. Warum ist das so und sind Garmin-Geräte wirklich so viel besser?

Einleitung

Sicher, der Einleitungstext ist ein kleines bisschen reißerisch formuliert. Aber letztlich sind die „iPod-Cacher“ doch immer wieder ein Streitthema in Logs und Foren. Ich fragte mich, was dran ist an der Kritik und habe versucht, einen möglichst objektiven Vergleich anzustellen.

Ich weiß natürlich, dass die Fraktion der Handy-Cacher nicht unbedingt wegen ihrer Technik selbst einen so schlechten Ruf besitzt. Viel mehr wird gemunkelt, dass sich solche Menschen wenig intensiv mit den „Spielregeln“ auseinandersetzen, gefundene Caches schlampig wieder verstecken und magere Log-Einträge hinterlassen. Kein Wunder, so argumentieren die Hardliner, wer nicht einmal bereit ist, für einen ordentlichen GPS-Empfänger ordentlich Kohle zu blechen, kann dieses Hobby ja nur halbherzig verfolgen.

Was an dieser Vorurteilsschlacht wahr oder falsch ist, konnte ich auf die Schnelle nicht überprüfen. Deshalb beschränke ich mich einfach allein auf den technischen Aspekt.

Die Kontrahenten

Es treten gegeneinander an: Mein Garmin Extrex Vista HCx (Kaufpreis: ca. 170€) gegen einen Bluetooth-GPS-Receiver (Navilock BT-413; Kaufpreis: ca. 30€).

Mit letzterem habe ich meine ersten Caches doch recht erfolgreich gefunden. Seit meinem Geburtstag liegt die GPS-Maus hier aber eher unbenutzt herum, da sie vom genannten Garmin-Gerät abgelöst wurde.

Die GPS-Maus verwende ich mit meinem Nokia 6300, einem Mittelklasse-Prepaid-Handy. Als Software kommt bei mir TrekBuddy zum Einsatz, ein kostenloses Java-Programm.

h3#disziplinen). Die Disziplinen

Ich habe mir ein paar Bereiche herausgepickt, an denen man die Qualität der Geräte relativ gut vergleichen kann. Wer hier besser abschneidet, kann sich jeder denken, der mal einen Garmin-GPSr in der Hand hatte. Dennoch fand ich den Vergleich relativ interessant.

Position fixieren

Die Test-Bedingungen waren nicht ganz ideal: Der Himmel war bedeckt und ich fuhr mit Fahrrad bereits los, als ich beide Geräte aktivierte. Sie mussten meine Position also aus der Fahrt heraus fixieren. Dazu kam, dass das Garmin gemütlich mit Blick zum Himmel an der Lenkerhalterung saß, während die GPS-Maus in der Hosentasche verschwand, nachdem es meine Position erstmals fixierte.

Das Garmin hatte dabei schneller Kontakt zu ausreichend vielen Satelliten. Die GPS-Maus brauchte ein wenig länger und hat auch, solang ich in Bewegung war, nur mäßig genau gearbeitet:

Positionsgenauigkeit

Wie gesagt: Das HCx kann die Position schnell hinreichend genau ermitteln. Die GPS-Maus tut sich damit schwer, solang man in Bewegung ist. Wenn man ihr allerdings etwas Zeit gibt, wird das Ergebnis auch besser:

Man sieht deutlich dass der Empfang der GPS-Maus (grün) auf dem Hinweg richtung Osten stellenweise sehr zu wünschen übrig lässt. Bevor ich aber den Rückweg richtung Westen antrat, hat sich das Signal offenbar stabilisiert: Die Spuren beider Geräte liegen zumindest bei niedrigem Zoom-Level mehr oder weniger aufeinander.

Dennoch muss man diesen Punkt wohl klar dem Garmin-Gerät überlassen. Spuren für Hin- und Rückweg liegen hier nahezu perfekt übereinander. Die günstige GPS-Maus liegt im Mittel betrachtet sicher nicht ganz daneben; Zu OpenStreetMap würde ich diesen Track dennoch nicht hochladen.

(Kartenmaterial: © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA)

Geschwindigkeiten erfassen

Eine Option die insbesondere für Sportler interessant sein könnte, ist die Erfassung von Geschwindigkeiten. So lässt nach einer Rad- oder Jogging-Runde gut die eigene Leistung statistisch erfassen.

Wie gesagt, ich hab den Ferrari zuhause gelassen und war stattdessen mit dem Fahrrad unterwegs. Dennoch ermittelte das Handy eine zwischenzeitliche geschwindigkeit von über 200 km/h. Auffällig sind die vielen Sprünge, während das Garmin eine relativ „sanfte“ Linie erzeugte. Ich habe die größten Ausreißer mal entfernt und das Diagramm neu geplottet:

Nachdem ich ein wenig Hand angelegt hab, sind sich beide Geräte schon etwas eher einig. Ich habe nur die Werte nach oben hin korrigiert, die Tiefstwerte nicht. Vielleicht gibt es einen passenden Algorithmus oder eine hilfreiche Funktion in OpenOffice.org-Calc, die einem die Handarbeit abnimmt. Dennoch gewinnt auch hier klar das Garmin, wobei ich mich frage, ob es die ermittelten Werte vielleicht bereits vor dem Speichern irgendwie bearbeitet.

Höhenprofile ermitteln

Hier hat das HCx einen kleinen Vorteil, nämlich einen integrierten barometrischen Höhenmesser. Die GPS-Maus muss sich auf das Satellitensignal verlassen und so sieht der Vergleich auch aus:

Interessant ist, dass die Tendenzen geringer und großer Höhen auch von der GPS-Maus relativ gut erfasst werden. Die absoluten Zahlenwerte der Höhenmeter sind aber völlig daneben. Grundsätzlich sollte es aber möglich sein, einem GPS-Track nachträglich passende Höhenwerte zu verpassen, wenn man Zugriff auf entsprechende Geodaten hat. Die OSM-Radfahrerkarte (OpenCycleMap) kann jedenfalls Höhenangaben machen. Memo an mich selbst: Schlau machen, ob man diese Informationen in GPS-Tracks einbinden kann.

Andere Vor- und Nachteile

Technische Daten sind nicht alles, worauf es im Alltag ankommt. Für bessere Vergleichbarkeit habe ich weitere nennenswerte Vor- und Nachteile tabellarisch aufgelistet:

GPS-Maus + Handy

Vorteile Nachteile
Günstig in Anschaffung
Wer erstmal ins Geocaching hineinschnüffeln möchte, Spaziergänge aufzeichnen oder sich dann und wann mal zu Fuß oder auf dem Rad navigieren lassen möchte, muss keine dreistelligen Summen ausgeben. Für geringe Ansprüche kommt man mit der preiswerten GPS-Maus erstaunlich gut voran.
Freie Wahl bei der Software
Es gibt relativ viele Handy-Anwendungen, die GPS-Navigation ermöglichen. Man kann selbst wählen, mit welcher man am besten zurecht kommt und ist nicht auf einen einzigen Hersteller angewiesen.
Paperless Caching
Es nervt, für jeden Tradi-Cache einen Ausdruck mit sich herumzutragen. Auf dem Handy lassen sich gut Cache-Listing samt Hints und Logs abspeichern
Flexible Anwendung
Die GPS-Maus lässt sich nicht nur mit dem Handy koppeln. Wer mit Note- oder Netbook unterwegs ist, kann sie genauso gut verwenden. Es mag Anwendungsfälle geben, für die das ganz nett ist und man vom entsprechend großem Display profitieren kann.
kein integrierter Kompass
Die in diesem Test eingesetzte Software TrekBuddy kann zwar einen Kompass simulieren. Dieser funktioniert aber nur so lange ausreichend genau, wie man in Bewegung bleibt. Zum Geocachen empfiehlt sich daher dringend ein Kompass im Gepäck.
Verbesserungswürdige GPS-Verbindung
Der GPS-Empfang der Maus scheint nicht der aller beste zu sein – nur selten erreicht das Gerät den Kontakt zu 12 Satelliten. Wenn man den Empfänger in der Tasche mit sich herumtragen muss, ist allerdings auch nicht sehr verwunderlich. Halterungen für Fahrrad oder an der Kleidung muss man improvisieren.

Garmin Etrex Vista HCx

Vorteile Nachteile
Sehr gute Navigation
Das Gerät funktioniert wie oben beschrieben einwandfrei. Navigation per Satellit funktioniert schnell und verlässlich, integrierter Höhenmesser und vor allem der Kompass sind ebenfalls nützlich.
Outdoor-tauglich
Dem Garmin schadet ein Sturz vom Fahrrad nicht. Es kann nass werden. Es zerkratzt nicht. Das Display ist auch bei Sonnenlicht meist gut ablesbar. Auf dem Fahrrad mit dem Handy in der Hand über Stock und Stein fahrend fühlte ich mich unsicherer.
Umfangreiches Zubehör
Kfz-Aufladekabel, Fahrradlenkerhalterung, Gürteltasche usw. usf. hält Garmin für den solventen Kunden bereit. Die Preise sind meines Erachtens ziemlich gepfeffert; das einzige, was ich bisher wirklich gebrauchen konnte, war allerdings die Lenkerhalterung für Fahrrad. Es kann also jeder für sich entscheiden, wie viel er für Zubehör ausgeben kann und will.
Lange Batteriestandzeit
Das HCx muss zwar mit Batterien/Akkus (AA) befüllt werden, diese halten das Gerät laut Hersteller aber auch ca. 25 Stunden am Leben. Nachgemessen habe ich dies nicht, aber dieser Wert ist nicht unrealistisch. Zum Vergleich: Der integrierte Akku der GPS-Maus soll 8 bis 10 Stunden halten; mein Handy-Akku ist dank der Bluetooth-Verbindung aber bereits ein paar Stündchen früher leergesaugt.
Teuer
Nicht nur das Gerät kostet relativ viel Geld, auch das Kartenmaterial – das muss sich der geneigte GPS-Benutzer nämlich selbst beschaffen. Garmin verlangt für eine topographische Deutschlandkarte rund 170€. So viel hat auch mein Gerät gekostet. Immerhin: Alternativ lassen sich auch Karten von OpenStreetMap einsetzen, was die Herzen von FOSS-Freunden ein wenig höher schlagen lässt.
Gewöhnungsbedürftige Handhabung
Wohl jeder von uns hat mal ein Handy in der Hand gehabt und ist mit der Menüführung mehr oder weniger vertraut. Das hier vorgestellte Garmin-Gerät kommt ohne Touch-Display aus und setzt auf ein eigenes Bedienkonzept mit mehreren Knöpfen und „Joystick“. Es empfiehlt vor dem Produktiveinsatz ein wenig zu üben, denn so ganz intuitiv ist die Benutzung nicht.

Fazit

Der Gewinner dieses Vergleiches ist klar das Garmin-Gerät. In Sachen Preis-Leistung behaupte ich aber, dass es fast ein Unentschieden sein könnte: Je nach eigenen Bedürfnissen kann eine GPS-Maus völlig ausreichend sein, wobei auch nicht vergessen werden darf, dass das hier vorgestellte Modell aus dem unterem Preissegment stammt. Wer bereit ist, ein paar Euros mehr auszugegeben, wird sicher ein entsprechend genauer arbeitendes Gerät finden, das preislich noch immer weit unter dem Niveau eines Garmin-Gerätes liegt.

Ich werde jedenfalls beide Geräte weiterhin behalten. So hat man auf längeren Touren notfalls eine Alternative zum HCx in der Hosentasche und wenn man zu zweit ist, kann der Kompagnon auch ein Gerät ein die Hand kriegen.

Ich fand es interessant, beide Geräte mal genauer miteinander zu vergleichen. Ich hoffe, ihr hattet auch ein wenig Spaß beim Lesen!

Hintergrundinformation: Verwendete Software

Die GPS-Tracks wurden in QLandkarte GT zusammen mit Kartenmaterial von OpenStreetMaps (cc-by-sa) visualisiert. Die Diagramme habe ich zwecks besserer Vergleichbarkeit mit OpenOffice.org Calc erstellt. Dazu habe ich die .gpx-Dateien mit gpxplot in Textdateien konvertiert und diese in OOo-Calc importiert.

Andwils Avatar

~andwil

Geek aus Kiel. Tobt sich hier vor allem über den Open-Source-Kosmos im Allgemeinen (und Linux im Speziellen) sowie Heavy Metal aus.