Dokumentenscanner Brother ADS-2100e unter Linux nutzen

Der Bro­ther ADS-2100e ist ein eini­ger­ma­ßen preis­wer­ter Doku­men­ten­scan­ner (ca. 260 Euro), der mit dem vom Her­stel­ler ange­bo­te­nen pro­prie­tä­ren Trei­ber auch unter Linux genutzt werden kann.

Foto vom Brother-Dokumentenscanner „ADS-2100e“ – diese Anleitung eignet sich aber auch für viele weitere Brother-Modelle
Abbil­dung: © Bro­ther Inter­na­tio­nal GmbH

Ich bin bei der Instal­la­tion auf einige Stol­per­steine gesto­ßen – viel­leicht ist dieser Arti­kel daher für den einen oder ande­ren von Nutzen.

Die unten­ste­hende Anlei­tung sollte sich übri­gens auch für andere USB-Scan­ner von Bro­ther eignen.

Schritt 1: SANE instal­lie­ren

Falls vom Dis­tri­bu­tor noch nicht vor­in­stal­liert, ist dies der rich­tige Zeit­punkt, um SANE – Linux‘ Schnitt­stelle zur Kom­mu­ni­ka­tion mit Scan­nern – zu instal­lie­ren.

Da SANE von sich aus keine gra­fi­sche Ober­flä­che mit­bringt, instal­liert man am besten das Paket xsane. Das ist eine etwas alt­ba­ckene, aber mäch­tige Ober­flä­che, die sich gut eignet, um den Scan­ner auf Funk­tion zu testen. Der fol­gende Befehl sollte Debian- und Ubuntu-Nut­zern alle benö­tig­ten Zusatz­pa­kete gleich mit instal­lie­ren:

sudo apt install xsane

Wer unter KDE zu Hause ist, inter­es­siert sich viel­leicht für das etwas hüb­schere Skan­lite:

sudo apt install skanlite

Schritt 2: Bro­ther-Trei­ber instal­lie­ren

Der Scan­ner-Trei­ber kann auf der Bro­ther-Seite als deb- oder rpm–Paket kos­ten­los her­un­ter­ge­la­den werden.

Da die EULA die Ver­brei­tung der Trei­ber durch Dritte geneh­migt, stelle ich sie hier eben­falls zur Ver­fü­gung:

System Down­load-Link
.deb
(z.B. Debian, *buntu)
32bit brscan4-0.4.6-1.i386.deb
64bit brscan4-0.4.6-1.amd64.deb
.rpm
(z.B. Open­Suse, Fedora)
32bit brscan4-0.4.6-1.i386.rpm
64bit brscan4-0.4.6-1.x86_64.rpm
Bitte das Klein­ge­druckte beach­ten: Kopie der Bro­ther-EULA

Die Instal­la­tion erfolgt nach dem Down­load mit dem Paket-Mana­ger deiner Dis­tri­bu­tion, also bspw. im Ter­mi­nal mit fol­gen­dem Befehl:

sudo dpkg -i ~/Downloads/brscan4-0.4.6-1.amd64.deb

Schritt 3: udev-Regel erstel­len

Jetzt wird’s kurz umständ­lich (hey, wir arbei­ten hier schließ­lich mit Linux!): Denn bisher kann man nur mit Root-Rech­ten scan­nen!

Für den Alltag ist das natür­lich Unsinn. Abhilfe schafft eine neue udev–Regel, die wie folgt ange­legt wird und auch Nut­zern ohne Root-Pri­vi­le­gien das Scan­nen erlaubt:

  1. Den Dru­cker an einem freien USB-Port anschlie­ßen und im Ter­mi­nal den Befehl lsusb|grep Brother aus­füh­ren. Das Ergeb­nis sieht in etwa so aus:

    ┌─[14:45]─[/home/andwil]
    └─> lsusb|grep Brother
    Bus 003 Device 010: ID 04f9:037d Brother Industries, Ltd

    Inter­es­sant für uns sind die her­vor­ge­ho­be­nen Zei­chen hinter dem Wört­chen „ID, in diesem Fall also 04f9 und 037d. Diese bitte notie­ren, denn wir benö­ti­gen sie für besagte udev–Regel, die wir jetzt erzeu­gen.

  2. Erst­mal Root-Rechte sichern:

    sudo -s

    Dann den fol­gen­den mehr­zei­li­gen Befehl ins Ter­mi­nal kopie­ren und mit Return ⏎ bestä­ti­gen:

    cat > /etc/udev/rules.d/39-brother-ads-2100.rules <<EOF
    ATTRS{idVendor}=="04f9", ATTRS{idProduct}=="037d", ENV{libsane_matched}="yes"
    EOF
  3. Mit fol­gen­dem Befehl wird udev neu­ge­star­tet:

    sysemctl restart udev
  4. Jetzt kann der sudo -s–Modus wieder ver­las­sen werden:

    exit
  5. Zuletzt noch den Scan­ner vom USB-Port tren­nen und neu anschlie­ßen. Damit sollte alles geritzt sein!

Schritt 4: Scan­nen!

Das wäre geschafft. Ab jetzt sollte der Bro­ther-Scan­ner ohne Pro­bleme zur Ver­fü­gung stehen. Testen lässt er sich bei­spiels­weise mit den oben genann­ten Pro­gram­men Xsane oder Skan­lite.

Wenn’s doch noch hakt, haben die Ubuntu-Users noch ein paar Tipps parat. Das obige Vor­ge­hen habe ich übri­gens erfolg­reich mit Debian Stretch“ (stable) und Buster“ (testing) getes­tet. Wer noch Ergän­zun­gen oder Kor­rek­tur­vor­schläge hat: Immer her damit!

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~andwil

Geek aus Kiel. Beruflich in der Industrie zu Hause, tobt sich hier aber vor allem über Linux, den Open-Source-Kosmos und Heavy Metal aus.