Ungebetene GĂ€ste 🐭

9. Januar 2022 | #hausbau #bautagebuch #ungeziefer

Unser Dachstuhl ist noch nicht mal ein Jahr alt, doch irgendwann im Novermber begann es nachts verdĂ€chtig auf dem Dachboden zu rascheln. Ganz klar, da macht es sich eine Maus gemĂŒtlich. Vielleicht in coronabedingter Ermangelungen sonstiger AktivitĂ€ten entwickelte sich ein gewisser sportlicher Ehrgeiz, die Viecher wieder loszuwerden.

Die richtige Falle finden

Klingt einleuchtend: Wenn es im Herbst frisch wird, suchen sich die MĂ€use ein schĂŒtzendes Versteck. Und wenn man den Berichten im Netz so trauen darf, bleiben die Nager oft gar nicht lange, sofern man nichts Essbares auf dem Dachboden lagert. Aus GrĂŒnden der Fairnis (und noch im Glauben, es nur mit einer Maus zu tun zu haben) besorgte ich zunĂ€chst eine kleine Lebendfalle im Baumarkt und bestĂŒckte sie klischeegemĂ€ĂŸ mit etwas KĂ€se â€“ und einem StĂŒckchen Snickers, da wir schon mehreren Seiten hörten, dass sĂŒĂŸ und/oder salzig fĂŒr die kleinen Nager am interessantesten ist. Sympathisch, eigentlich.

Jeden Nachmittag ging ich also auf den Dachboden, um zu sehen, ob die Falle zugeschnappt hat â€“ vergebens: Die Falle war leer, lediglich ein paar Ködel lagen herum und der Karton mit dem Raclette-Grill wurde angenagt. Den brachte ich sicherheitshalber direkt in Sicherheit, da er offensichtlich verfĂŒhrerisch duftet. Doch weil das nĂ€chtliche Rumoren hinter der Trockenbau-Decke eher zu- als abnahm, legte ich noch zwei klassische Schlagfallen aus und war gespannt, wie sich die Maus entscheidet.

Und tatsĂ€chlich, am nĂ€chsten Morgen waren alle drei Fallen belegt: zwei MĂ€use tot und eine gefangen in der kleinen Lebendfalle. Allerdings war der KĂ€fig zu kurz (oder die Maus zu lang), jedenfalls war die Schwanzspitze eingeklemmt und gebrochen. Wir haben die Maus direkt im Anschluss im nahegelegenen Wald freigelassen (gute Besserung! đŸ€•) und nochmal zwei Schlagfallen auf den Dachboden gebracht. Als zusĂ€tzlichers Schmankerl stellte ich noch eine Überwachungskamera mit Infrarot­licht und und Bewegungserkennung dazu, die hier noch ungenutzt herumlag.

Damit konnte das MĂ€usekino starten und wir wurden live am Smartphone Zeugen, wie die erste Maus ohne einen Kratzer davonkam. Im Video sieht man am rechten Rand allerdings auch einen Artgenossen, der weniger gute Reflexe hatte:

Noch unerfreulich war der Anblick am nĂ€chsten Tag live und in Farbe: Die erschlagene Maus starb wohl nicht an Genickbruch sondern blutete großzĂŒgig aus, was auf den unbehandelten Bodenbrettern gleich doppelt unappetitlich war. Damit war das Thema Schlagfallen fĂŒr uns vorerst gegessen.

MĂ€se fangen mit Rattenfallen

Die Lösung war eine große Lebendfalle, also eine Rattenfalle. Mit dem Teil konnte ich gleich mehrmals je eine Maus unverletzt fangen. Ein Klecks Nutella als ersten Köder (damit die Maus die Falle ĂŒberhaupt betritt) und ein StĂŒck Weingummi am Auslöser.

Damit wÀre die Geschichte eigentlich am Ende. Eigentlich, denn folgenden Krimi in drei Akten muss ich hier noch mal zum Besten geben:

Freitagmorgen, 05:35 Uhr: die Falle schnappt zu:

06:02 Uhr: der eingesperrten Maus geht's gut, keine Vorkommnisse

06:03 Uhr: Der KĂ€fig ist leer, keine Aufnahme der vorangegangenen 30 Sekunden â€“ die Maus ist entkommen! 😳

Der enge Spalt zwischen Klappe und KĂ€fig hat der Maus offenbar gereicht, um sich in die Freiheit zu quetschen  â€“ oder sie konnte gegen den Federdruck der Klappe entwischen. Beide Ursachen lassen sich mit einer Spitz- und einer Kombizange abstellen: die großzĂŒgig dimensionierten Klappbleche lassen sich problemlos ein wenig umbördeln, so dass kein Spalt mehr zum KĂ€fig ĂŒbrig ist. Außerdem ist die Zugfeder einfach im KĂ€fig eingehakt, so dass die Vorspannung nach Belieben vergrĂ¶ĂŸert werden kann. So kriegt die Falle noch mehr Wumms. đŸ’ȘđŸŒ

Falle im Originalzustand. Die ersten MĂ€use wurden erfolgreich eingefangen und nach draußen befördert. Nach der erfolgreichen Flucht habe ich die Klappe ausgebaut und mit einer Zange umgebördelt 
 
 damit die Klappe den KĂ€fig ĂŒberlappt. Die Zugfeder ist an der KĂ€figoberseite eingehakt: wenn sie um eine oder zwei Maschen stĂ€rker gespannt wird, schnappt die Falle noch krĂ€ftiger zu.

Noch besser: Vorbeugen

Wir gehen davon aus, dass die kleinen Nagetiere durch die Stoßfugen im Klinker gekrochen sind. Von dort können Sie an der DĂ€mmung entlang bis in den nicht ausgebauten Dachboden klettern und es sich dort gemĂŒtlich machen.

Ein Rundgang ums Haus offenbarte einige besonders breite Fugen und insbesondere im Bereich des Garagen­grĂŒndachs ist der Weg nach oben auch nicht mehr weit.

Um den Weg zu versperren, haben wir feinmaschigen Kaninchendraht in die Fugen gestopft: kleine Streifen zusammengerollt und so weit in die Fuge geschoben, dass man den Draht auf den ersten Blick nicht mehr sieht. So kann die Luft weiterhin hinterm Verblend­mauerwerk zirkulieren, aber Tiere bleiben draußen.

Unter dem Stichwort FugenlĂŒfter findet man auch speziell angefertigte Produkte fĂŒr diesen Zweck. Die versprechen, auch Wespen und andere Insekten fernzuhalten, kosten dafĂŒr aber ungleich mehr (und sehen auch nicht viel besser aus).

Material: Stoßfugen, feinmaschiger Kaninchendraht, Zange. Bis zu zwei Zentimeter sind unsere Fugen breit, das ist wahrscheinlich einladend fĂŒr kleine Tiere auf der Suche nach Schutz.

FĂŒrs erste haben wir unseren Dachboden jedenfalls wieder fĂŒr uns allein! Und weil's so schön ist, gibt es hier noch ein Video von einer der vielen Entlassungen: