„Send Back my Stamps“: alte Metal-Fanzines online lesen

13. Mai 2019 | #metal #fanzines #sendbackmystamps

In einer unauffälligen Randnotiz der aktuellen Deaf Forever bin ich auf eine schwermetallische Online-Perle gestoßen: Das Blog Send Back my Stamps! hat es sich zum Auftrag gemacht, alte Metal-Magazine zu sammeln und der Online-Nachwelt verfügbar zu machen.

Erstaunlich ist schon die schiere Anzahl an Fanzines, die in den Achtziger- und Neunzigerjahren in weiten Teilen der Welt aus dem Boden schossen. Doch während heute jeder eine Blogspot-Seite ins Internet rotzen kann, war im Prä-Internet-Zeitalter noch einige Fleißarbeit gefragt: Zumeist sind die Hefte mühevoll aus ausgeschnittenen Textblöcken, Fotos und (Hand-)Zeichnungen unter Zuhilfenahme eines Kopierers gelayoutet und vervielfältigt worden. Das sieht mal eher rustikal, aber auch schon mal wirklich kunstvoll aus.

In der Natur der Sache liegt natürlich auch, dass kein professioneller Verlag involviert war und auch Abos und Postversand notfalls im heimischen Kinderzimmer organisiert wurden. Dies erklärt übrigens auch den länglichen Titel des Blogs: Ausgefuchste Hobby-Verleger verwendeten allerlei Hilfsmittel, um zu verhindern, dass die zum Entwerten der Briefmarken verwendete Tinte haftet und baten den Empfänger, die scheinbar jungfräulichen Marken zur Wiederverwendung zurückzuschicken.

Titelblatt vom irischen „Deprived“-Magazin; Ausgabe Nr. 2 von 1994 (© Antoinette Flynn und Brian Taube) Oberkultiges Cover vom „Level Six“; USA, 1987 (© Bill Parker) Klassisches Layout mit Schere und Kopierer: „Live Wire“ Nummer 13 von 1988 (© Jörg „Jörx“ Schnebele, Jürgen „Dr. Thrash“ Both, Peter „Speedy“ Kirchner, „Metal Manni“ Rothe)

Beispielhafte Auszüge aus der seit 2010 öffentlichen Sammlung

Die totale Unabhängigkeit von Verlagen brachte zudem den Charme mit sich, dass die Hefte mitunter sehr spezielle Aspekte, etwa nur einzelne Sub-Genres, behandelten und und auch mal ziemlich derben Humor mitbrachten. Besonders spannend: Viele der bearbeiteten Bands gingen kurze Zeit später komplett durch die Decke oder werden heute zumindest als Underground-Acts verehrt - oder sind einfach komplett in der Vergessenheit versunken. So oder so fühlt sich das „Blättern“ in den Scans wie eine Zeitreise an.

Klare Empfehlung also: Hülse auf, Platte auflegen und stundenlang schmökern! Hier: sendbackmystamps.org.


(Titelfoto von TOM JONES MOREIRA DE ASSIS, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)